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Dialekt is cool – Alex und Christoph vom Vogtlandshop im Interview

Alex und Christoph betreiben den Vogtlandshop. Er ist einem ausserhalb des Vogtlands wenig bekannten Gebiet gewidmet, dem Vogtland. Dieses liegt zwischen Sachsen, Thüringen und Bayern, ist landschaftlich sehr schön, hat aber nicht so viele große Städte. Um dieser unterschätzten Region ein Denkmal zu setzen, und das Humorpotential seines entspannt-gedehnten Dialektes zu nutzen, haben die beiden vogtländische Shirt-Motive kreiert. Ein Blick in die Statistik verrät: der Shop ist viiiiiiiel stärker besucht, als die Bahnstation oben im Bild. Ein positives Signal für alle Heimatfreunde: Vergesst Hochdeutsch - Schwatzt Heimatlich! Es könnte sich rentieren. Eine Erfolgsgeschichte aus finster-schöner Provinz. (und für starke Nerven: der Unterschied zwischen “Hosen”, “Hasen” und “heißen” in vogtländischer Manier)

Ihr betreibt einen Shop mit Motiven rund um das Vogtland. Wie würdet ihr den Vogtländer in 28 Worten beschreiben?
Der Vogtländer vollbringt das Kunststück, Warmherzigkeit, Bauernschläue, Neugier, Umtriebigkeit, Humor, Heimatliebe und Weltoffenheit unter dem Deckmantel eines für Außenstehende nahezu unverständlichen Dialektes zu einem stimmigen Gesamtbild zu vereinen.

Eure Motive sind meist Textmotive im vogtländischen Dialekt. Grafiken tauchen nur sehr spärlich auf. Hat der Vogtländer an sich keine Beziehung zu Bildern?
Der vogtländische Wortwitz liegt vor allem in den vielen Eigenschöpfungen für Dinge und Verhaltensweisen begründet. Die stärkste Identifikation findet hier tatsächlich über den Begriff statt, so dass der große Anteil an Textmotiven eine logische Folge unserer “Marktbeobachtung” war. Kurz gesagt: “Hier drin steckt Dialekt”! Und ganz nebenbei ist ein Textmotiv auch besser mit anderer Kleidung zu kombinieren, was den Einsatzbereich unserer Stücke enorm erweitert. Ein “Guter Gung” kann auch schon mal unter dem Sakko getragen werden.

Was sind die besten Ecken im Vogtland zum Urlaub machen und entspannen?
Da empfehlen wir besonders das obere Vogtland um Schöneck, Grünbach und Klingenthal ganz im Süden. Diese Region ist zum Wandern und Entspannen sehr geeignet und hat in den letzten Jahren auch einige Auszeichnungen in dieser Richtung eingeheimst. Übernachten kann man gut im IFA Ferienpark in Schöneck, dort besteht gleich eine Anbindung zur Vogtlandbahn, mit der Ihr das restliche Vogtland erkunden könnt.

Wie habt Ihr von Spreadshirt erfahren?
Das Projekt Vogtlandshop haben wir vor etwa 6 Jahren gestartet. Die ersten Jahre waren sehr wichtig, um viele Dinge auszuprobieren und ein Gefühl für unsere Kunden zu bekommen. Wir haben früher auf Lager vorproduzieren lassen, was die Produkt- und Designauswahl einschränkt, deshalb haben wir schon recht zeitig damit begonnen, die Augen auch für Alternativen offen zu halten. Spreadshirt hatten wir schon länger beobachtet und als die Rahmenbedingungen mit dem werbefreien Premium-Shop und dem T-Shirt-Designer unseren Vorstellungen entsprachen, war unser Wunschpartner gefunden. Es spielte auch eine große Rolle, dass es sich bei Spreadshirt - wenn schon nicht um ein vogtländisches ;o) - doch um ein Startup aus Sachsen handelt. Das gibt uns ein gutes Gefühl.

Wie vermarktet Ihr den Shop und macht ihn bekannter?
Der Vogtlandshop wurde in einer Zeit gegründet, als die Liebe zur Region eine Renaissance erlebte, und sich bis heute hält. Wir haben da sehr viele offene Türen bei der Presse und beim Fernsehen gefunden. Unter www.vogtlandshop.de ist auch der MDR-Beitrag über unseren Shop verlinkt. Wir versenden regelmäßige Newsletter an unsere Kunden, schalten Werbetafeln im Vogtland Regional- Fernsehen und betreiben Promostände auf Stadtfesten im Vogtland. An ausgewählten Standorten unterhalten wir auch eine “Wanderaustellung”, also eine Art Werbevitrine. Den Rest erledigen witzige Ideen wie die mittlerweile über 10.000-fach verteilte Hutzenpostkarte (Hutzenabend=gemütlicher Klön- und Plauderabend) und die Mundpropaganda.

Was war Euer größter Erfolg bislang (mit oder ohne Spreadshirt)?
Wirtschaftlich eine Großbestellung mit fast 100 Shirts die wir mit Spreadshirt realisiert haben. Geschäftspolitisch sicher, dass sich unsere kleine Vogtlandshop Versand Gesellschaft seit über 5 Jahren stabil am Markt hält und wir 1. eine Menge Spaß damit hatten 2. viele nette und interessante Menschen kennen lernen durften 3. auch den einen oder anderen Euro damit verdienen können.

Habt Ihr schon jemanden mit Euren T-Shirts auf der Straße gesehen - den Ihr nicht kanntest?
Ja, das kommt tatsächlich öfter vor, besonders im Sommer, wenn Shirt-Wetter ist. Witzig: einige Tage, nachdem man die ersten Shirts wieder auf der Straße sehen kann, steigen meist die Bestellzahlen an. Mein “erstes Mal” war auf der Burgruine in Mylau, ein schwarzes Shirt mit der Aufschrift “Kriebel!”. So eins hatte sich auch Heinz-Rudolf Kunze für einen Auftritt in Wernesgrün besorgt. Neulich wurde eine große Aktion in Plauen mit einem Knirps beworben, der einen “Kleiner Vogtländer” trug. Erst am letzten Wochenende traf Alex im Leipziger Zoo einen Vogtländer mit einem unserer Shirts. Solche Sachen sind sehr witzig und überraschend, da rufen wir uns auch meist gegenseitig an um uns gemeinsam zu freuen.

Was macht Ihr hauptberuflich, wenn Ihr gerade nicht an Eurem Shirtshop arbeitet?
Alex und ich sind seit dem Gymnasium dicke Freunde. Im bürgerlichen Leben haben wir mit Finanzen und Zäpfchen zu tun ;o)

Wenn du ein T-shirt wärst - wie würdest du aussehen?
Alex: Ich wäre ein unglaublich atmungsktives Sportshirt. Im Brustbereich wäre das Vogtlandshop-Logo angebracht, aber durch die immensen Muskelberge nur schwer sichtbar. :-) Christoph: Ich wäre ein bequemes, dezent sportlich klassisches Polo in Halbblau. Ich bin unknitterbar.

Was wolltest Du schon immer mal gefragt werden und was ist die Antwort?
Welche Aufdrucke habt ihr am häufigsten verkauft? Vor Spreadshirt: “Ich war´s net!”, mit Spreadshirt “Guter Gung” und auf dem Marktplatz: die einzelne Sonne aus unserem Logo. Das mit der Sonne überrascht uns total - der Marktplatz hat seine eigenen Gesetze ;o)

Um die Motive einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, hat Alex freundlicherweise ein kleines Wörterbuch Vogtländisch-Deutsch erstellt:

Doddisch “verrückt”, übergeschnappt”. Zum Beispiel: “Die sei doch doch dodal doddisch!” Vielleicht abgeleitet von dem Spruch “Wie bei den Hottentotten”.

Feierhaaß “feuerheiß”. Wir verwenden es als Ausdruck für etwas besonders tolles. “Des is feierhaaß”, oder auch “Der oder die is feierhaaß” - Ihr versteht :-)

Griehgeniffter das ist ein Wortspiel, es gibt im Vogtland “Griehgeniffte”, das ist urvogtländisch für “griene Kleeß”, das wiederum sind “grüne Klöße”, die vogtlänischen Klöße eben, nach vogtländischer Rezeptur.

Guter Gung “Guter Junge”. Viele Alten sagen zu einem wohl erzogenen Jungen “Des is aber e guter Gung!”

Kriebel Lieb gemeintes Schimpfwort, sowas wie “Schlitzohr”. Man sagt: “Du Kriebel!” und meint “Du bist ganz schön gerissen”, oder man sagt: “Das ist ein Kriebel!” und meint: “Der hats ganz schön dick hinter den Ohren”, oder man sagt, “Iech bie ehm e Kriebel” (Ich bin eben ein Kriebel) und meint: “Ich habs eben drauf”.

Latschbix Latschbix ist jemand, der viel redet. Typischerweise Frauen. “Latschen” heisst reden. Bix ist eine derbe Bezeichnung für eine Frau. Eine Latschbix kann aber auch mal ein Mann sein :-) Die Schreibweise mit x ist von uns.

Neideitel Eine sehr neugierige Frau, die gern Neuigkeiten per Mundpropaganda verbreitet.

Saang Wasser lassen. Wir Vogtländer teilen unsere Absicht, saang zu müssen, gern den anderen vorher mit: “Itze muss iech erscht emol saang!”

Zanngusch setzt sich aus dem verb “zanne” (weinen, schreien) und “Gusch” (Gusche, Mund) zusammen und bezeichnet eine Person, insbesondere Kinder, die rumnörgeln und immer gleich weinen und somit anstrengend sind. “Des is aber e Zanngusch!”

Im vogtländischen gibt’s auch echte Vokabeln, zum Beispiel Hitsch = Fussbank oder im Raum Klingenthal Boss (de Bossn) = ein Junge (Jungs) (de bossn und de Maad = die Jungs und die Mädchen)So, nun habt Ihr einige Eindrücke von den Vogtländern gewonnen. Es heisst auch “Altes zänkisches Bergvolk” (man kann danach googeln). Stimmt aber nicht. Wir sind sehr herzlich, müssen aber erst auftauen. Stimmt höchstens bei Regina Zindler. Kennt Ihr vielleicht noch… (”Knallerbsenstrauch”)

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1 Response to “Dialekt is cool – Alex und Christoph vom Vogtlandshop im Interview”


  1. 1 by Ines Ende | Oct 30th, 2009 at 4:01 pm
    Gravatar of Ines Ende

    Liebe Vogtländer,

    einer der Euren war ja e.o. plauen, der Zeichner von ‘Vater und Sohn’.

    Für diese Motive haben wir von Konstanz aus einen Shirtshop über Spreadshirt eröffnet (vaterundsohn.de/t-shirts.asp).

    So trifft man sich…

    Viele Grüße,

    Ines Ende
    Lizenzen Südverlag

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