
Manchmal liest man unter der Woche Sachen, von denen man denkt, dass sie andere auch lesen sollten, vergisst aber, sie in irgendeiner Art und Weise zu teilen. Das soll mir mit der “Theorie der 1000 Fans” nicht passieren, weil sie nicht zuletzt auch einiges beinhaltet, was auch für unsere Shop Partner interessant sein könnte.
Über den SVN-Blog von 37 Signals (Chicagoer Webagentur, deren Gründer u. a. im aktuellen Brand Eins-Heft zum Thema “Innovation Improvisation” zu Wort kommen) bin ich auf Kevin Kellys - schon etwas älteren - Blogpost “1,000 True Fans” aufmerksam geworden.
Im Wesentlichen behauptet Kelly darin, dass es für freischaffende Künstler (Musiker, Maler, Designer, …) eine Perspektive zwischen Mainstream-Startum und dem Fristen in den Nischen des langlanglangen Longtails gibt. Seine Lösung lautet: 1000 Fans für die eigene Marke bzw. die eigenen Produkte gewinnen und von deren Support leben.
Einen wahren Fan definiert Kelly dabei als jemanden, der im Durchschnitt pro Jahr einen kompletten Tageslohn in die Erzeugnisse eines Künstlers investiert und z. B. sämtliche Stücke oder Alben eines Sängers kauft, ohne sie überhaupt gehört zu haben. Man könnte auch sagen, Kelly spricht von den Dauerkartenbesitzern bzw. den Abonnenten unter den Fans.
A True Fan is defined as someone who will purchase anything and everything you produce.
Fans sind also nicht zwingend gleichzusetzen mit “Freunden” bei Myspace oder Facebook bzw. allen Menschen, die jemals ein Produkt eines Künstlers gekauft haben. Aber wenn man sich Mühe gibt, so Kelly, kann man diese nicht ganz so besessenen Fans zu richtigen Fans konvertieren. Die technischen Werkzeuge dazu seien dank der genannten und anderen (Online-)Services heutzutage vorhanden.
If you added one fan a day, it would take only three years. True Fanship is doable.
Die Muße bzw. das Talent zum Managen der Fans besitzt selbstverständlich nicht jeder Künstler. Für den Fall, dass man lieber nur Songs als Songs und Blogeinträge bzw. E-Mails schreibt oder lieber nur Designs entwirft als sie zu entwerfen und danach in irgendwelchen Gästebüchern oder Portalen zu streuen, braucht man eine Person, eine Agentur oder ein Unternehmen, das einem dabei unterstützt, Fans zu finden und mit Ihnen zu kommunizieren.
Mehr Menschen ins Boot zu holen, bedeutet allerdings auch, mehr Fans zu benötigen, um die Besatzung versorgen zu können.
When you have corporations involved in taking the majority of the revenue for your work, then it takes many times more True Fans to support you.
Das heißt z. B. auch für die Betreiber von Spreadshirt-Shops, dass 1000 Fans i. d. R. nicht ausreichen werden, um dauerhaft und ausschließlich vom Betreiben des Shops leben zu können. Denn nicht nur die Shopbetreiber, sondern auch wir und unsere Zulieferer wollen ein Stück vom T-Shirt-Kuchen für die Leistungen und Produkte, die wir bzw. sie erbringen oder zur Verfügung stellen.
Möchte man trotzdem das Designen von T-Shirts zu seiner Haupteinnahmequelle machen, ohne das Risiko einzugehen, große Mengen vorzudrucken und sie ggfs. nicht zu verkaufen, gibt es meiner Meinung nach im Wesentlichen zwei Möglichkeiten:
1) Sich eine Fanbasis aufbauen, die für ausreichend Verkäufe und damit Provisionen sorgt. Gute Beispiele dürften dabei hierzulande Katz und Goldt mit Ihren Rumpfkluft-Sachen bzw. Amorphia Apparel in den USA sein. Ohne das in irgendeiner Art und Weise abwertend zu meinen, illustrieren ihre Erfolge folgendes Zitat aus Kellys Artikel:
One person in every town likes your dumb online comic. That’s enough to keep you in beers all year.
2) Neben dem eigenen Shop auch den Spreadshirt-Marktplatz als Vertriebskanal nutzen. Hier kann man von den Fans von Spreadshirt profitieren und sie ggfs. zu Fans der eigenen Designs bzw. Produkte machen. Romibello hat das z. B. mit hochqualitativen Designs und einen sehr eigenen Stil geschafft.
Dass das nicht einfach oder mal nebenbei möglich ist, sollte klar sein. Aber
the point of this strategy is to say that you don’t need a hit to survive.
P.S. Für Interessierte: Vor Kevin Kelly haben sich auch schon Brian Austin Whitney oder Malcolm Gladwell gleiche oder ähnliche Gedanken über die Rolle von Hardcore-Fans von Künstlern bzw. Marken gemacht.


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Vielen Dank für diesen informativen Blogeintrag! Am besten hat mir dabei dieses Zitat gefallen: “One person in every town likes your dumb online comic. That’s enough to keep you in beers all year.” ;-)
errm, das brand1 heft ist aber “improvisation”, oder?
(der link führt bei mir ins leere)
und noch eine anmerkung: ich denke, malcolm gladwell hat beim tipping point genau den augenblick im visier, wo die grenze zwischen orange und rot in der grafik verläuft. das ist ein interessanter punkt, habe ich so noch nicht gesehen.
errm, ja :-) ist samt link korrigiert. danke für den hinweis.
Congrats, Romibello. ;=)