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Eine Nachricht und ihre Geschichte

Nach der Spiegel-Nachricht über eine Aktivistin, die bei Tchibo ein Spreadshirt mit dem Vorwurf “gefertigt für Hungerlöhne” bestellte, haben manche von Euch gefragt, ob da was dran ist - und woher wir unsere Roh-Waren eigentlich alle beziehen. Zunächst einmal zur ersten Frage: nein, da ist nichts dran.

Zur Herkunfsfrage und ihren Facetten möchten wir jetzt einige Einblicke geben. Erste Erkenntnis: ein lückenloser Nachweis für alle Produkte in unserem Sortiment ist schwieriger, als wir dachten (was man auch an den mitunter kontroversen Diskussionen zu dem Thema in Blogs sehen kann, z.B. vital-genuss, Robert Basic, bissige liberale, bei der Aktivistin Kirsten Brodde selbst).

Und dass es bis jetzt gedauert hat, das zu beantworten, hat durchaus einen guten Grund: die Angelegenheit ist so wichtig, wie sie komplex ist. Mit einem Schnellschl(l)uss, Dementi oder sonstigen Erste-Hilfe-Maßnahmen tun wir niemandem einen Gefallen. Tatsache ist auch: wir beschäftigen uns schon immer mit der ethischen Dimension unserer Handlungen, zum Beispiel wenn es darum geht, welche Motive gedruckt werden sollten und welche nicht. Aus diesem Grund wollen wir hier und jetzt auch kein abschließendes Statement zu diesem Thema geben, sondern nehmen den Ball an und geben gerne Einblicke zum Status Quo.

Wie schon mehrfach angesprochen, wissen wir, dass die Textilindustrie nicht nur weiße Wäsche wäscht. Wir waren und sind uns unseres Auftrags als Unternehmen hinsichtlich der sozialen Verantwortung bewusst und bemühen uns, auch hier mitzuwachsen. Ich hoffe, das zeigt unsere offene Kommunikation - und unser Sortiment, das wir in den letzten Jahren z.B. immer stärker um ökologisch zertifizierte Bio-Baumwolle bereichert haben.

Seit Spreadshirt vor sechs Jahren “geboren wurde”, haben wir immer darauf geachtet, dass unser Sortiment unsere Mission unterstützt. Das bedeutet: hochwertige Waren, zumindest nicht die billigste Variante. Denn wir wollen keine Schnell-Schnell-Kultur, die mit Tiefpreis argumentiert und durchsichtige Shirts für 5 Euro an den Mann bringt, und keine Plattform sein, die groß genug ist, dass es reicht, wenn jeder nur einmal bestellt.

Weil wir die Shirts ja in Eurem Namen anbieten, bedrucken und manchmal arg malträtieren (müssen), ist die Shirt-Qualität für uns enorm wichtig. Daher setzen wir auf Nachhaltigkeit, auf langfristige Beziehungen zu einzelnen Lieferanten und auf namhafte Hersteller. In den letzten Wochen haben wir gelernt, dass diese Maßnahmen und “Social Code of Conducts” offensichtlich noch nicht ausreichen, um eine einwandfreie Herkunft aller Artikel zu gewährleisten. Hier können wir von der Erfahrung Tchibos (und anderer) nur profitieren, die uns mit ihrem Know-how unterstützt haben.

Wie komplex die Materie ist, und dass selbst auditierte Sozialstandards nicht immer ausreichende Garantien für Fairness bedeuten, beschreibt auch ein Artikel in der TIME, den ich sehr aufschlussreich finde und jedem empfehlen kann, der sich für das Thema interessiert.
Nicht jeder, der sich einem Verhaltenskodex entzieht, hat gleich Dreck am Stecken - manche Hersteller unterschreiben den Code of Conduct eines Händlers nicht, weil sie ihre eigenen Programme haben. Andere bauen Vorzeige-Fabriken, Potemkinsche Dörfer, vor allem zu dem Zweck, die Überprüfungen („Audits“) zu überstehen.

Was das für uns (und Euch) bedeutet

Künftig (wie auch in den letzten Wochen) beschäftigen wir uns noch eingehender mit der Thematik CSR: Neben der Arbeit hinter den Kulissen, wo wir gerade unseren Code of Conduct überarbeiten und uns um Herstellernachweise bemühen, finden wir auch wichtig, dass Ihr Euch als Partner und Kunden ein eigenes Bild machen könnt. Aus diesem Grund werden wir die gesammelten Informationen in einem eigenen Bereich zum Thema Unternehmensverantwortung auf unserer Webseite veröffentlichen. Mehr dazu, wenn die Seite bereit ist.
Falls Ihr bis dahin Fragen habt, stehen wir gerne zur Verfügung. Nach wie vor stellen wir uns der Diskussion und sind gerne bereit dazu zu lernen, genauso wie wir auf Eure Rückmeldungen zu diesem Thema angewiesen sind. Denn was gekauft wird, entscheidet am Ende immer ihr.

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6 Responses to “Eine Nachricht und ihre Geschichte”


  1. 1 by Jay1 | Jul 10th, 2008 at 4:21 pm
    Gravatar of Jay1

    Hi Ami, gute Idee die Lieferanten einen Herkunftsnachweis liefern zu lassen.

  2. 2 by winz | Jul 12th, 2008 at 3:02 am
    Gravatar of winz

    auch sehr lesenswert und aktuell die übersicht zu tchibo bei terres des hommes:

    http://www.frauenrechte.de/tdf/index.php?option=com_content&task=category&sectionid=17&id=127&Itemid=117

    und auch aktuell zu adidas, puma und nike dieser artikel:

    http://marktcheck.greenpeace.at/5808.html

    speziell zu puma:

    http://marktcheck.greenpeace.at/4530.html

    auch zu adidas und nike:

    http://marktcheck.greenpeace.at/4638.html

    also?

  3. 3 by Jonas | Jul 12th, 2008 at 10:24 am
    Gravatar of Jonas

    Meinen Kunden war die Herkunft der Textilien immer enorm wichtig. So musste ich mühsam die Hersteller meines Produktsortiments ermitteln und dann einzeln kontaktieren, um zu erfahren, ob beispielsweise auf Kinderarbeit verzichtet wird. Ich habe nur solche Produkte in den Shop aufgenommen, von denen ich das entsprechend bestätigt bekommen habe. Einfach war das nicht, all die verschiedenen Standards zu interpretieren! Meine eigene Recherche ist auf jeden Fall bislang unzureichend, um meine Kunden guten Gewissens auf das ganze Sortiment via Designer loszulassen. Wäre also dankbar, wenn ihr nun diesen Job erledigen könntet! Dafür ist es kein bisschen zu früh!!!

  4. 4 by Arne | Apr 3rd, 2009 at 10:33 am
    Gravatar of Arne

    Ich muss zugeben, dass ich mich peinlich wenig mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Bei allen Food Fragen bin ich schon seit Jahren auf dem Laufenden. Bei Textilien nicht. Es ist einfach eine große Herausforderung in jedem Bereich den Überblick zu behalten. Hin und wieder ist ein “weißt du eigentlich was du da machst” sehr hilfreich!

  1. 1 Umgeschaut: Nachhaltigkeit bei anderen at Der deutsche Spreadshirt-Blog
  2. 2 Basic Thinking Blog | Wochenende

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