
Bei Kooptech wurde kürzlich das Thema Wikis in Unternehmen mit pro & contra Argumenten beleuchtet. Viele der Gegen-Argumente sind meiner Meinung nach technologischer Natur (fehlende Suche, Nutzungsoberfläche), die entweder in Kürze oder bereits seit einiger Zeit entkräftet werden können. Interessant finde ich daher, was meist hinter diesen Gründen steckt: der Umgang mit Offenheit innerhalb eines Unternehmens, also die Frage wie transparent man innerhalb einer Organisation auftreten will (und kann). Beispielsweise fand ich das Argument sehr interessant, dass es dem Chef nicht gefallen könnte, wenn er im Wiki öffentlich korrigiert wird. An sowas hab ich ehrlich gesagt noch nie gedacht.
Wir haben ja auch ein internes Wiki im Einsatz (wo jeder jeden korrigieren darf), der gemeine Spreader nennt es gerne liebevoll unseren “Space”. Und um genau zu sein, ist das Wiki neben dem internen Blog eigentlich der zentrale Hang Out - daher hab ich in der Diskussion mal ein wenig für den Einsatz von Wikis in Unternehmen geworben.
Dadurch bin ich auf Synaxon aufmerksam geworden, die in ihrem Blog den 25 Mio. Seitenaufruf ihres internen Wikis gefeiert haben - was unsere Nutzung noch bei weitem toppt. Bei uns war der Stand letzten November (dort haben wir von mediawiki auf confluence rübergemacht) 1,3 Mio Pageviews, und mehr als 100,000 Editierungen. Wen interessiert, was wir sonst noch so mit unserem Wiki, den internen Blogs und dergleichen anstellen, findet in dieser Folie ein wenig mehr Infos. Die hab ich im vergangenen Dezember mal im Rahmen der “Intranet Days”, einer Veranstaltung von aexea, zusammengestellt.
Dort waren auch Vertreter von DAX-Unternehmen (die teilweise nicht mal auf Arbeit surfen dürfen *uuurgh*), und die Resonanz war sehr positiv. Von daher kann es nur noch Jahre Augenblicke dauern, bis sich kollaborative Tools im großen Stil durchsetzen.













Ja, man gewöhnt sich schnell an die moderne Welt
In altbackenen Unternehmen kritisiert man eben nicht von unten nach oben. Das führt dazu, dass viele Verbesserungsvorschläge oft erst gar nicht gemacht werden. Naja, wir habens schon nicht so schlecht bei der SYNAXON oder bei Spreadshirt 

Übrigens war die Firmnregel zum privaten Surfen (früher verboten) eine der ersten die im Wiki kollaborativ umgekrempelt worden sind. Brave New World
»Klassische« Organisationen haben mit dem Wiki-Prinzip ein echtes Problem. Führungskräfte dort haben eine ganz andere Sozialisation hinter sich, die da sagt, man müsse immer und um fast jeden Preis die Kontrolle behalten. Sehr hierarchisch orientierte Organisationen (wie öffentliche Verwaltungen) haben darüber hinaus genau definierte Abnahmeprozesse. Da ist es natürlich sehr schwer ein Wiki zu integrieren.
-Tim
zum einen hast du recht tim, klassische organisationen haben sehr genau definierte Prozesse (und nicht nur zur Abnahme) oft sind diese Prozesse aber nur teildokumentiert - nämlich nur so weit, dass die Prozessausführenden nur genau das tun können:
Ausführen
Nicht bewerten, nicht analysieren, nicht in Frage stellen oder optimieren.
Solche Prozesse und Regelungen haben wir in der SYNAXON auch. Nur haben wir einige Voteile:
Wir wissen fast alle durch entsprechende Six Sigma Ausbildungen, wie Prozesse aufgebaut, verstanden und unter die Lupe genommen werden können.
Dadurch kommt auch ein Azubi, der eine entsprechende Kenntnis erlangt hat in die Lage, einen Prozess, der ihn möglicherweise gar nicht im Tagesgeschäft betrifft in die Lage, diesen Prozess zu analysieren und zu bewerten.
Das Wiki ist dabei erstmal vor allem ein Informations- und Kommunikationsmedium.
Das gleiche gilt natürlich in abgeschwächter Form für Regeln. Diese können noch schneller und einfacher optimiert werden, durch diejenigen, die die Regeln im Tagesgeschäft betreffen.
Das Umdenken muss in zweierlei Hinsicht stattfinden:
Gebt den Leuten die Kompetenz, sich mit führungsrelevanten Aufgaben und Konventionen auseinander zu setzen, das Know How sie zu begründen und die Tools sie herzuleiten und zu kommunizieren.
Ein Wiki ist mMn auf jeden Fall das beste der letztgenannten Tools und kann eine Organisation dahin bringen, sich ein gutes Stück weit selbstverantwortlich zu führen und damit Zeit und Platz für neues zu schaffen.
finde ich gut, funktioniert aber in etablierten Konzernen nicht, Kritik ist da so unerwünscht wie in Nordkorea, sei sie auch noch so sachlich und angebracht.Just do it.
@Alex: Offenheit und Transparenz ist nicht selbstverständlich, weder innerhalb von Organisationen noch im zwischenmenschlichen Bereich. Zum Beispiel ist es mit der Transparenz innerhalb einer Organisation ganz schnell vorbei, wenn es zu Konkurrenzverhältnissen kommt. Sei es auf der Führungsebene oder im Vertrieb. Vertrieb ist glaube ich ein ganz gutes Beispiel um sich das einmal zu vergegenwertigen. Das ist ja alles schon von der Soziologie und Psychologie untersucht worden: wie die Arbeitsbedingungen sind, welche Menschen damit angesprochen werden und was das so für letztendlich für Typen sind. In typischen Vertriebsabteilungen (Betonung liegt auf typischen) wirst du wenig Voraussetzungen für eine schnelle und sinnvolle Wiki-Einführung finden. Im Vertrieb findest du in der Regel eine Konkurrenzsituation, in der man belohnt wird, wenn man besser ist als seine Kollegen.
Das kann man finden wie man will. Es hilft aber vielleicht als Bild im Kopf weiter, wenn man sich darüber Gedanken macht, wie man das Wiki-Prinzip in Unternehmen einführen kann.
-Tim
Jo Tim, da gebe ich Dir recht. Man wird sich normalerweise nur dafür entscheiden, sein Wissen freundlich gesinnten Menschen preiszugeben. Das Klima dafür muss stimmen oder geschaffen werden.