Matthias ist der Architekt. Als Chefentwickler hat er an allen großen Neuerungen maßgeblich mitgewirkt, außerdem ist er Mitglied des Spreadshirt-Vorstandes. Als Nerd, Geek oder Freak qualifiziert er sich trotzdem nicht, dafür hat er viel zu viele Interessen auch auf anderen Gebieten.
Wo und wann bist Du geboren?
In Hennigsdorf nördlich von Berlin, 1968
Bist Du oft in der Heimat?
Nur auf Verwandtenbesuch. Die touristischen Reize von Hennigsdorf halten sich in Grenzen. Die Stadt ist eher bekannt für allerlei Industrie. Stahl, Strom und gute Ideen werden dort zu nützlichen Maschinen verarbeitet. Lokomotiven und Berliner S-Bahnen zum Beispiel.
Wie ist Dein Werdegang?
Ich habe in Dresden und Berlin Informationstechnik und Philosophie studiert.
Warum Philosophie?Mir ist mal ein Bändchen von Friedrich Nietzsche in die Hände gefallen, das hat mich fasziniert. Und da habe ich mich als Zaungast in die Seminare gesetzt.
Nietzsche ist ja nicht der erste Philosoph, den man mit Naturwissenschaft in Verbindung bringen würde..
Aber einer der wenigen, die noch heute was zu sagen haben. Die Suche nach des Pudels Kern und das freie Denken eines schaffenden Wesens hat Nietzsche sehr beeindruckend vereinbart.
Worüber hast Du Deine Diplomarbeit geschrieben?
aktive Schallbekämpfung, - eine Methode, die beim Neutralisieren von Störgeräuschen helfen kann
Sicher auch für die Garage Leipzig interessant.. Was kam nach dem Studium?
Nach einem eher langweiligen Praktikum bei Siemens habe ich Mitte der Neunziger Verschiedenes ausprobiert. Vernetzung war das heiße Thema damals, eine Zeitlang habe ich versucht, ein Profile Matching Sytsem zu entwickeln. Idee: in einem bestimmten Umkreis werden Profile abgeglichen, so dass zum Beispiel jemand, der einen Schachpartner sucht, ganz in der Nähe auch jemanden finden kann. Diese und andere Projekte eher kommerzieller Natur gehörten zu meiner Experimentierphase. Ende der 90er habe ich dann bei Combox angefangen. Ein kompetenter Internet-Dienstleister, der es aber leider versäumt hat, aus den vielen maßgeschneiderten Kundenlösungen auch mal ein Produkt zu verallgemeinern, so wie es Intershop ja z.B. gemacht hat. Im Jahr 2000 bin ich dann zu Llynch Meta Medien gewechselt, einem mittlerweile vom Markt vergessenen einstigen Marktführer für CRM Produkte.
Und im Zeichen des großen Crash hast Du die Seite Dotcomtod ins Leben gerufen…
Genau, da ging es darum, die Leser über negative Entwicklungen von New Economy-Unternehmen zu informieren.
etwas zynisch..
..finde ich nicht, schließlich haben sich hier gerade Wechselwillige kundig gemacht, die sich so vor einem maroden Unternehmen schützen konnten. Viele haben das Angebot ganz praktisch genutzt, vom Manager zum Pizzalieferanten. Ich selbst habe die Seite aber nur betreut, geschrieben haben zumeist andere. Begriffe wie „Grasswurzel-Journalismus“ waren zwar noch nicht im Umlauf, das Konzept dahinter hat aber schon eindrucksvoll funktioniert.
Dotcomtod war dann einer der ersten Shoppartner von Spreadshirt…
Der siebte, um genau zu sein. Ich fand die Idee von Beginn an klasse, aber die IT war eine einzige Katastrophe. Nach 127 Verkäufen ist das System zusammengebrochen…da habe ich Lukasz meine Hilfe angeboten wir wurden uns recht bald einig. Das war die erste Verdoppelung der Spreadshirt Mannschaft, der bis heute noch 7 weitere folgten.
Hat sich wohl rentiert..
Anfangs war Spreadshirt purer Underground, aber auch das System war unterirdisch miserabel. Mittlerweile sind wir bei der zweiten Generation der IT-Architektur, haben erfolgreich internationalisiert und neue Geschäftsbereiche erschlossen. Wir haben noch viel vor und die Herausforderungen werden immer interessanter. Die Nahziele sind im Moment eine ausgereifte Suchfunktion für unseren Marktplatz und verbesserte Geschwindigkeit.
Cafepress ist älter als Spreadshirt. Hat Spreadshirt eigentlich irgend etwas erfunden?
Den Shirt-Designer kann man guten Gewissens als Spreadshirt-Erfindung bezeichnen.
Spreadshirt ist eine Erfolgsgeschichte. Habt Ihr auch Fehler gemacht?
Rückblickend muß ich sagen, dass wir die Bedeutung des Produktmanagers unterschätzt haben. Das hat sich zu lange die Geschäftsführung in Details eingemischt.
Im Moment wird viel über Ethik und Motive diskutiert. Was ist Deine Meinung dazu?
Was ich gar nicht tolerieren kann, sind Ignoranz und offensichtliches Unvermögen, egal mit welchem Hintergrund. Solange jemand an mich als mehr oder weniger intelligentes Wesen appelliert, kann ich andere Meinungen verkraften.
Bleibt Dir Zeit für Hobbies? Lesen, Musik, Sport?
Früher habe ich viel gelesen, alles von Lem und den Brüdern Strugatzki und quer durch die europäische Literatursgeschichte. Aber heute merke ich, dass es schwer ist, einen, nun ja, alten Mann zu beeinflussen. Irgendwann ist Schluss mit dem Input. Man will aus sich selbst heraus schaffen. Gelegentlich lese ich noch populärwissenschaftliche Werke. Musik höre ich gern, von Beethoven bis Postrock. Meine MP3 Sammlung ist aber auf Hendrix und ACDC hängen geblieben, für neuere Sachen verlasse ich mich auf die Tipps von Kollege Alex Kops. Sport? Windsurfen und Laufen im Park.
Was haben Deine Eltern gemacht?
Sie sind beide Kunstlehrer, mein Bruder ist Designer. Vielleicht zapfe ich diese Ader nochmal an und male was – aber dann eher zur Entspannung.
Was ist Dein Lieblingsfilm?
Schwer beeindruckend fand ich Funny Games. Ein bestürzender Film, der deinen Gerechtigkeitssinn foltert. Eine überzeugende Demonstration des Prinzips Hoffnung.
Was ist Dein Motto?
Arbeite daran, dich selbst überflüssig (und damit bereit für Neues) zu machen.
Vielen Dank für dieses Interview! Wer soll das nächste geben?
David aus dem Controlling. Ich möchte gern verstehen, was an Zahlen so faszinierend ist.















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