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Wenn man an deutsche Frauenmagazine denkt, denkt man zuallererst an deutsche Frauennamen. Petra, Tina, Lisa, Maxi, Brigitte usw. - Gleich danach denkt man dann an Rubriken, die Frau erklären, was sie aufzutragen, anzuziehen, wegzumachen, einzunehmen und/oder abzunehmen haben.
Und auch wenn man an eine Alternative auftun will, kommt man auf den ersten Blick nicht an einer nach einer Frau benannten Zeitschrift vorbei.
Dass ein anspruchsvolles Magazin für Frauen machen aber nicht unbedingt heißen muss, konservative feministische Propagandaliteratur zu publizieren, zeigen Missy, Nouvelles und das Jungsheft.
Weil Ihr diese drei Hefte mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht am Kiosk gesehen haben dürftet, will ich sie Euch heute kurz vorstellen und habe mich dazu mit den Machern und Macherinnen unterhalten.
01 Missy…

… gibt´s noch gar nicht. Aber bald. Missy hat nämlich den mit 25,000 EUR dotierten Hobnox Evolution Wettbewerb gewonnen. Damit können Sonja Eismann, Chris Köver und Steffi Lohaus das machen, was sie auf dem deutschen Markt bis dato arg vermissen:
ein intelligentes Frauenmagazin ohne den ganzen Diät- und Wie-angel-ich-mir-’nen-Mann-Schrott, dafür mit Pop, Kultur, Politik, Mode, Style und selbstverständlich Feminismus (via Genderblog).
Was darf man denn unter “selbstverständlichen Feminismus” verstehen?
Für uns ist Feminismus eine Alltagspraxis, die so selbstverständlich wie das Luft holen ist - die möchten wir auch gerne mit anderen teilen. Selbstverständlich heißt auch, dass es für uns ganz klar ist, dass wir als Frauen und denkende Wesen uns für Gleichberechtigung und für die Dekonstruktion althergebrachter Geschlechterbilder einsetzen.
Und was haben Frauen, die zukünftig Missy lesen sollen, bisher gelesen?
Das ist einerseits ein großes Rätsel, weil es in diesem Bereich auf deutsch leider gar nichts gibt. Andererseits vermute ich aber, dass viele dieser Frauen - wie die Männer in unserem Freundeskreis auch - Musikzeitschriften wie Spex, Intro, De:Bug etc. lesen, manche vielleicht auch die Emma, so was wie Neon oder Zeit Campus könnte auch dabei sein, und natürlich Publikationen wie Jungle World, taz, Konkret, Süddeutsche, Zeit, FAS etc. Wir von Missy sind süchtig nach amerikanischen Publikationen wie Bust, Venuszine und Bitch Magazine - die sind auch unsere großen Vorbilder für Missy.
Eine Internetseite hat Missy noch nicht - hier kann man sich aber schon mal das Hobnox-Gewinnervideo ansehen.
02 Nouvelles

verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie Missy. Vielleicht mit ein bisschen weniger Popkultur, dafür mit mehr Wissenschaft und Politik-Themen. Außerdem ist Nouvelles im Gegensatz zu Missy ein reines Online-(genauer gesagt: PDF- und Flash-)Magazin. Und: es wurde von drei Männnern gegründet.
Wie kommt´s Herr Schenk?
Wir haben Nouvelles für diese einzigartige Perspektive gegründet, weil sie uns schlicht interessiert und weil wir glauben, dass emanzipiert zu leben zeitgemäß und vor allem zukunftsfähig ist. Die Emanzipation der Frau wird das Leben zunehmend bestimmen, sowohl das der Frauen als auch das der Männer. Das macht diese Perspektive so interessant und die „rein“ männliche so sehr rückwärtsgewandt.
Warum sind noch keine Frauen auf die Idee gekommen, ein derartiges Magazin zu machen?
Für diese Frage sind wir der falsche Ansprechpartner.
Wie ist das numerische Verhältnis von Frauen und Männern in Ihrer Stammredaktion?
Im Augenblick liegt das Verhältnis ziemlich genau bei 4:1 zugunsten der Frauen. Aber das ist nur eine Momentaufnahme, die Redaktion befindet sich noch im Aufbau.
Was bedeutet Ihnen der Weltfrauentag?
Der Weltfrauentag schafft weltweit Aufmerksamkeit für die Lebenswirklichkeit der Frauen, etwas, das sich Nouvelles in seiner täglichen Arbeit zum Vorbild nimmt. Dieses Jahr wird der Weltfrauentag unter das Motto “Investing in Women and Girls” gestellt, was für uns einmal mehr zum Ausdruck bringt, dass wir nach wie vor mehr Frauen in Führungspositionen benötigen – auch und gerade im Journalismus.
03 Jungsheft

Im Gegensatz zu den Herren von Nouvelles bedeutet Nicole Rüdiger vom Jungsheft - dem ersten Pornomagazin für Frauen (Verhältnis Männer:Frauen im Team hier 50:50), die nicht auf “Feuerwehrkalender” stehen - eher weniger:
Außer dass dieser Tag am 8.3. ist, kann ich nicht so viel dazu sagen. Was nicht heissen soll, dass er einigen Frauen nicht viel bedeutet.
Und auch mit Alice Schwarzer´s “Por-No”-Kampagne kann sie nicht so viel anfangen, auch wenn sie es wichtig findet, dass die sexuelle Ausbeutung von Frauen angeprangert wird:
Wir sind heute so weit, dass nicht alles verteufelt werden sollte ohne neue Konzept darzulegen … einfach nur nein sagen und das war´s, finde ich zu wenig. Lieber anfangen, gute Dinge auf die Beine zu stellen.
Und gute Dinge lassen sich bevorzugt in der Freizeit auf die Beine stellen:
Die Idee entstand in Griechenland auf einer Terasse, weil wir uns gefragt haben, warum es keine Möglichkeit gibt, Jungs, die uns gefallen, mal nackt zu sehen. Und so so haben wir uns lange mit der Idee schwanger getragen und dann halt einfach gemacht, ohne zu wissen, auf was wir uns da einlassen. Dass wir laut dem deutschen Gesetz harte Pornographie vetreiben … und die anderen Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, hier selbständig tätig zu sein.
Aber ganz so schlimm, scheint´s doch nicht zu sein - inzwischen gibt es mit dem “Giddyheft” auch eine für-Hetero-Männer-Variante des Jungsheft. Es lebe die Gleichberechtigung.


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Ganz netter Artikel, aber mal als Tip: Einfach mal ne EMMA in die Hand nehmen und anschauen… Die meisten Menschen haben eine ziemlich harte Meinung ohne je reingeschaut zu haben. Und die welche es wagen sind dann doch angenehm überrascht.
Sage ich übrigens als Mann.
Schöner Beitrag, finde ich auch. Nur halte ich mit: EMMA ist bester als ihr Ruf, und was Alternativen zu der Dame angeht - gibt´s schon lange … aber in der Tat nur online ;-)