Vor ziemlich genau zwei Monaten hatte ich an dieser Stelle über “Pay What You Want” geschrieben. Das ist das Bezahlmodell, bei dem alleine der Kunde entscheidet, was ihm ein erstandenes Produkt wert ist.

Die Verantwortlichen von 2nd Rec., einem Indie-Musiklabel aus Hamburg, haben jetzt das recht ernüchternde Ergebnis ihres PWYW-Experiments (”Choose a CD, pick a price“), bei dem sie 485 CDs kostenlos an interessierte Kunden verschickt hatten, veröffentlicht:
- 481 CDs wurden zugestellt (4 kamen zwecks Adressproblemen zurück)
- 127 Leute entschieden sich, zu zahlen (entspricht nicht ganz nem Drittel aller CD-Empfänger)
- durchschnittlich bezahlten diese 127 Leute 8,87 EUR für ein Album und 7,95 Euro für eine 5-Track-EP
Während sich die Zahlen spontan gar nicht mal so schlecht lesen, sieht man spätestens beim Ermitteln des Durchschnittspreises, der für alle 485 CDs bezahlt wurde - 0,74 EUR - ein, dass das Experiment gescheitert ist.
Mich hat dieses schlechte Ergebnis insbesondere überrascht, als die Kundenzufriedenheit bzgl. der verschickten Tonträger - laut einer von 2nd Rec. kurz nach dem Versand durchgeführten Umfrage - überdurchschnittlich hoch war.
Also scheint zumindest Vorschlag b) der fünf Vorschläge, die Adam im Dezember zur Steigerung des Umsatzes bei “Pay What You Want” gemacht hatte:
dem Käufer das Produkt zusenden und erst eine Woche nach Aussendung nach Bezahlung fragen (hoffen, dass das nicht-virtuelle Produkt zu einer höheren Wertschätzung führt, als ein 200×200-Pixel-JPG)
nur bedingt zu ziehen und eine Erhöhung der Wertschätzung durch das tatsächliche Erfahren eines Produkts nicht zwangsläufig eine höhere Bereitschaft, mehr Geld für dieses zu zahlen, mit sich zu bringen.
Insgesamt aber cool, dass 2nd Rec. mit offenen Karten spielt und die gemachten Erfahrungen teilt. Mit der Zeit wird sich dann sicher auch zeigen, ob folgende Maßnahmen PWYW lukrativer werden lassen:
- den aktuellen Stand des durchschnittlichen Preis zeigen (und somit möglichen geringst-Zahlern mit Glück ein schlechtes Gewissen machen)
- einen (geringen) Grundpreis festsetzen (um die 1-Cent-Zahler draußen zu halten)
- die gesamte Kalkulation (spätestens bei Erreichen des break even points) offenlegen (so dass die Leute sehen, dass “ein T-Shirt machen” tatsächlich Geld kostet).
(via Phlow)










naja, in dem fall tragen “offene karten” sicher ein wenig zu schlechtem gewissen bei - und wenn 2nd rec es totschweigen und die aktion einfach einstampfen, würde man sich auch ausrechnen können dass es nicht lief. schade trotzdem.
ich dachte, es läuft eher am anfang besser und lässt dann nach, so als “abnutzungseffekt”. ansonsten würde ich nur noch auf hürden beim bezahlen schliessen, die man ggf. mit paypal und/oder “aggressivem darauf hinweisen” schließen könnte. vielleicht ist musik aber einfach nichts (mehr) wert ..?
Hallo,
die Jungs sollten das Experiment auf jeden Fall wiederholen. Nur das sie im zweiten Anlauf allen Käufern schon im Vorfeld deutlich klarmachen sollten, dass Sie jeden Besteller, der ihnen nicht wenigstens nach 8 Wochen die Porto- und Materialkosten erstattet hat, in einer offen einsehbaren Liste veröffentlichen.
So nach dem Motto: „Wenn Du nicht wenigstens den Anstand besitzt uns unseren Aufwand zu bezahlen, soll das auch jeder der hier vorbeikommt wissen!“
Gruß
mich wundert das jetzt nicht soo sehr, ist aber ein nettes Experiment.
Das liebe streben nach Geld…
Jeder möchte dabei noch so wenig arbeiten, wie nur möglich. Ergibt sich die Gelegenheit, “billig” einzukaufen, nutzt die jeder. Ich bin sicher 50% der CD’s werden nicht einmal ganz abgespielt oder landen beim nächsten Wichteln in die Packung. Viele machen bei allem, wo es etwas um sonst gibt mit, nur um etwas zu bekommen.
Ein paar - Jene die bezahlt haben - finden dagegen die Idee schön, in einer großen Einkaufsgemeinschaft den Preis bestimmen zu können. Diese zahlen dann in der Tat etwas.
Eigentlich schade daß “Geiz ist geil” immer noch so aktuell ist. Ein PWYW System hätte so viele Vorteile für ehrliche Menschen. Und nebenbei auch für alle anderen. Denn, würde der Fliesenleger nur noch den Preis aus dem PWYW System bekommen, müßte er diesen auch allen anderen Kunden in Rechnung stellen.
Offenbar ist das beschriebene Projekt nicht ganz perfekt vorbereitet worden. Subjektiv muß man so etwas mit mehr Zeit zum möglichen Kunden bringen, das System muß deutlicher erkennbare Vorteile für alle haben.
Schade daß das Marketing-Genie dieses System in die Masse zu bringen, nicht hier mitgemacht hat. eBay war auch nicht sofort der Renner. Und inzwischen läuft es sich auch ab…
Und, wie hättet ihr euch verhalten, hättet ihr gezahlt?
Hättet ihr mitgemacht wenn euch die CD vollkommen unbekannt wäre??
Oder hättet ihr auch mitgemacht, wenn hier eine absolut seltene, heiß beliebte, super tolle CD angeboten worden wäre???
Ich denke doch das diese Einkaufsmöglichkeit irgendwann einen Weg findet. Aber mit ein paar mehr Feinheiten.
Super finde ich die Veröffentlichung der Ergebnisse. Man müßte fast daran denken, doch noch alle Namen zu veröffentlichen
Ada
das hätte was von einem pranger - und würde auf der einen seite die “fehlquote” sicher minimieren .. allerdings ginge auch ein beträchtlicher teil der “freiwilligkeit”, des vertrauensvorschusses und des charme verloren. ich denke aber auch, dass man eher in der vorbereitung und beim ablauf optimieren sollte/könnte - letztlich ist es gewohnheitssache, wie man zahlt ..
Hallo,
das mit der Veröffentlichung der Namen war eher zynisch gemeint…
Aber mal ernsthaft:
Bevor man ein solches Projekt startet, sollte man sich mit der Psyche derer auseinander setzen die man hiermit wirklich erreichen möchte. Bzw. hilft es natürlich generell sich mit den psychologischen Beweggründen eine Spezies auseinander zu setzen. So sind wir Primaten z.B. eben nach wie vor Jäger und Sammler. Wobei wir natürlich einzig für das Jagen und nicht für das Sammeln einen wie auch immer gearteten Aufwand treiben wollen. In diesem Fall lehne ich mich mal aus dem Fenster und stelle die Behauptung auf, dass die Masse jener welche nichts bezahlt haben die CD einfach „in die Ecke gelegt hat“. Auch halte ich es tatsächlich für eine gute Idee dem Abnehmer wenigstens eine aktuelle Kostenorientierung zu offerieren. Ich selbst (altes Pferd) würde z.B. auch bezahlen, selbst wenn mir die Musik dann doch nicht gefällt. In diesem Fall wenigstens den Kostenaufwand der den Anbietern glaubhaft entstanden ist. Von der Option die Ware zurück zu senden, wird erfahrungsgemäß wenig bis kein Gebrauch gemacht.
Zum Thema Kostentwicklung von solch fast schon altruistisch anmutender Projekte:
Die Idee mit der Limitierung ist sehr gut. Dann auf jeden Fall den Aufwand tief genug halten um nicht an Attraktivität zu verlieren, aber hoch genug um die „Gelegenheitsmitnehmer“ abzuschrecken. Und zu guter letzt, deutlich mehr Pressearbeit
Gruß
hey michael. ein paar anmerkungen zu deinen:
a) ich glaube ja, dass der jäger- und sammler-instinkt bei der aktion schon angesprochen wurde, weil die cds nicht wahllos verschickt wurden, sondern umsonst bestellt (und vorher online vorgehört) werden konnten: http://www.2ndrec.com/special-offer/.
b) das mit dem “in die ecke legen”, kann ich mir nicht wirklich vorstellen: “… following the sendout of the CDs, we did a little survey, where we asked how much everybody liked the CD they’ve got (we’ve used German school grades for the rating, 1 to 6, with 1 being best):
19.40% rated it with 1, 44.78% with 2 (the avarage rating was a 2.39), meaning that 64% rated the album good or very good.” glaube nicht, dass leute, die die cd nicht mal gehört haben, sich die mühe machen, sie zu bewerten.
c)eine limitierung war auch gegeben: “Wie lange läuft die Aktion? Solange der Vorrat reicht. Manche CDs sind nur in kleinen Mengen vorhanden, also hopp hopp” - allerdings wurde der aktuelle bestand nicht transparent gemacht, was sich natürlich negativ auf die wirkung einer limited edition auswirkt.
auch ansonsten könnte man sicherlich noch einiges am ablauf einer derartigen aktion verbessern. richtig schlecht haben sich 2nd rec. in meinen augen aber nicht angestellt.
p.s. wer sich allgemein für die lage der musikindustrie interessiert, dem sei dieses interview mit herrn tim renner empfohlen: http://01blog.de/2008/02/10/videocast-03-tim-renner/ (imo: nix wirklich neues, aber gut zusammengefasst)
@Tobias:
Gerne eine Retoure:
a) Die Seite habe ich schon vor einiger Zeit wahrgenommen (technisch gut gemacht), aber darum ging es mir nicht. Ich wollte euch lediglich aus der Aussenansicht darauf hinweisen, dass es hier wirtschaftlich prägnante Differenzen zwischen dem Jäger- und den Sammlercharakteren gibt. Diesen Differenzen sollte man ebenso prägnant Rechnung tragen.
b) Tut mir echt leid, aber deine Logik hinkt ein wenig. Es ging ja nicht das Leute die CD mutwillig ordern und dann ungehört vermodern lassen. Was ich meinte war folgendes:
1.- Ich ordere die CD.
2.- Die CD trifft ein und ich höre sie mir an.
3.- Ich gebe sogar spontan noch eine nette Bewertung ab
4.- Aber dann lege ich sie in die Ecke und vergesse sie (mutwillig oder nicht)
5.- Werde ich an die Sache erinnert, werde ich vielleicht u.U. noch mal kurz aktiv, aber bitte nicht zu viel. Vielleicht fühle ich mich auch genervt…
c) Wie Du ja schon richtig feststellst, mangelte es hier deutlich an Transparenz. Wir sind nun einmal (Geiz ist Geil, hin oder her) eine zahlenorientierte Gesellschaft.
Und ansonsten wollte ich nicht aussagen das sich 2nd rec. schlecht angestellt hat. Sie haben halt schlicht ein paar Fehler gemacht, die dem Projekt nicht unbedingt zuträglich waren
Gruß
Trent Reznor hat mit dem letzten Nine Inch Nails Album ähnlich schlechte Erfarhungen mit einem ähnlichen Bezahlkonzept gemacht:
http://www.news.com/8301-10784_3-9847788-7.html
150.000 download, knappe 30.000 davon bezahlten den Fixpreis von $5,00
äh, diese art von “schlecht” finde ich immer noch einigermaßen rentabel. okay, NIN sind anderes gewohnt, und die bezahlquote bei echten fans könnte höher sein - andererseits werden ein paar der nichtzahler sicher bei konzerten anzutreffen sein.
ich sag ja - musik ist nichts mehr wert .. interessant auch der link: http://www.news.com/8301-10784_3-9832659-7.html
(radiohead ist schuld)
Äh, es war doch von Anfang an geplant das Album auch auf CD zu veröffentlichen? In dem Artikel kommt das so rüber als hätte die Band gesehen dass es sich nicht rentiert und dann schnell noch ein CD release hinterhergeschoben.
BTW: Ich hab mit das Album per Torrent geholt und dann nach dem regulären CD release das Album gekauft.
bei der max-planck-gesellschaft fand ich einen interessanten artikel zu diesem dilemma.
also weiter gefasst dem verhältnis von egozentrik und gemeinsinn.
wer reputation und ansehen erfährt, wird auch bereitwilliger geben. und der umkehrschluss stimmt auch….
hast du da mal nen link?
@jonas: einfach auf “hennypenny” klicken
d’oh.
“Sie haben halt schlicht ein paar Fehler gemacht, die dem Projekt nicht unbedingt zuträglich waren.”
und welche?
außerdem möchte ich nochmal betonen, dass es uns dabei nicht um das testen eines neuen “geschäftsmodell” ging, sondern lediglich ein experiment, dass aus neugier gestartet wurde und hoffentlich ein paar leute zum nachdenken animiert und diskussionsstoff bietet.
@johannes:
Entschuldige bitte meine Kurzsichtigkeit. Ich war nicht davon ausgegangen, dass ihr Kapital und Leistung zu verschenken habt. Mein Fehler…
Doch selbst unter der Prämisse eines „Experimentes“ seid ihr offensichtlich vollkommen falsch vorgegangen. Gerade durch ein solches will man ja üblicherweise Erkenntnisse sammeln, die einem vorher nicht zur Verfügung standen, bzw. die sich dem eigenen Blickwinkel entzogen. Wobei natürlich die Art und Weise der Umsetzung des Experimentes, dass Ergebnis dessen entweder stark oder schwach beeinflusst.
Gruß
@ michael: ich denke schon, dass wir erkenntnisse gesammelt haben.
und was wir “offensichtlich falsch” gemacht haben, darfst du mir gerne noch erklären. wie hätte man es denn “richtig” machen “müssen”?
von meiner seite erstmal hi johannes. freut mich, dass du dich hier direkt und ohne aufforderung in die diskussion einmischt
@johannes:
Natürlich habt ihr Erkenntnisse gesammelt
Nur welche? Das das Experiment in Summe gescheitert ist? Das es ein kleiner Erfolg war? Ist der Konsument tatsächlich eine „Geiz ist Geil“ Seele?
Schau mal hier:
http://www.ciez.de/ciez-default/autor_mk_3.html
das dürfte einiges erklären.
Menschen die an einem Projekt mitwirken fällt es immer schwer einen distanzierten, eher neutralen Blickwinkel einzunehmen. Dies zu akzeptieren ist in keiner Weise negativ, es ist weise
Wenn Du wirklich Wert auf den Blick von Aussen legst, kannst Du mir ja mal schreiben. Ich setze mich in dieser Art mit dem Problem gerne etwas intensiver auseinander. Ein Blog ist nicht die geeignete Plattform um alle Befindlichkeiten anzusprechen.
Gruß