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Von stilvollen Werken und goldenen Pudeln - auf dem und um das Hamburger Wordcamp

hafen

Moinsen.
Der ursprüngliche Plan war ja, mich schon am Ende des ersten Tages auf dem Hamburger “Wordcamp” hier zu Wort zu melden.
Aber erstens waren Hunger und Durst dann größer als mein Mitteilungsbedürfnis, zweitens verbrachten 50% der anwesenden Menschen eh die gesamte Zeit mit Live-Blogging per Laptop, Telefon oder Hybrid-Geräten und drittens machte sich bei mir beim Lesen einiger dieser unmittelbaren und deshalb zwanghaft recht standardmäßigen (”das Wetter ist typisch hanseatisch”, “die Location ist der Wahnsinn”, das “Essen ist lecker”, “ich sitze gerade in einer Session zu …” etc.) Mikro-Posts das Gefühl breit, dass es vielleicht doch nicht schadet, die Dinge erst einmal sacken zu lassen und die aus meinen Augen essentiellen Eindrücke zu kondensieren, bevor man sie der Welt via zugänglich macht.
So ist es also Sonntag Abend bis zu dieser Review geworden und ich sitze bereits im ICE zurück nach Leipzig, während ich die Zeilen tippe.


Freitag
Die freitägliche Fahrt in die entgegengesetzte Richtung hatte ich mir wie angekündigt unter anderem mit meiner ersten Amazon-Leih-DVD versüßt. “Mehmet Scholl - Frei:Gespielt“. Eine herzzereissende Doku über einen der genialsten und sympatischsten Fußballspieler, die diese Nation je hervor gebracht hat. Nach dem Film war dann vor der Arbeit - die restliche Zeit verbrachte ich mit dem Erstellen des informativen Grundgerüsts einer Präsentation über unser Open Logo Projekt, die ich am Samstag halten sollte.
Um halb neun in Hamburg angekommen, erlöste ich meinen Gastgeber von seinen Überstunden bei Fork Unstable Media. Zusammen mit einem alten Freund, der mit uns an der Augsburger FH studiert hatte und der inzwischen Art Director der selben Agentur ist, machten wir uns auf in ein frisch eröffnetes Restaurant, wo wir bei einem soliden Abendessen und Astra ein gegenseitiges Update über unsere derzeitigen Aktivitäten vornahmen.
Anschließend ging´s in die Wohnung meines Gastgebers, um die im Zug begonnene Präsentation mit Screenshots zu versehen. Es war zwei, als ich das Licht ausmachte.

Samstag
Am Samstag krähte um acht mein nerviger Nokia(!)-Handyweckton. Aufstehen, duschen, Google Map ausdrucken und zu Fuß über die bei Tageslicht recht surreal wirkende Reeperbahn zum “Stilwerk” - dem am Hafen gelegenen Ort der Veranstaltung.
Über einen roten Teppich, durch eine schicke Aula samt Lumas-Gallerie und via Fahrstuhl in den siebten Stock, wo ich - in tatsächlich schicken Räumlichkeiten - u. a. von Cem Basman herzlich in Empfang genommen wurde. Dann erstmal meinen Koffer entleert und die Wordcamp-Shirts abgeliefert, welche sich die Organisoren und deren Helfer auch gleich überzogen, während ich mir ein Croissant und O-Saft schnappte und mich ins Getümmel stürzte. Von den über 140 angemeldeten Teilnehmern dürften zu diesem Zeitpunkt ca. 100 anwesend gewesen sein - eine angenehme Gruppengröße.
Einer dieser 100 war Michael Simon - er saß beim Schnellfrühstück neben mir und es war schön zu erfahren, dass er nicht nur an meinem “Wie groß ist mein Koffer“-Raten mitgemacht hatte, sondern dass seine Freundin, eine Grafikdesignerin, Spreadshirt dazu nutzt, um ihre Werke auf Textil zu bringen.
Dann das übliche Barcamp-Prozedere: Begrüßung, Themenvorstellung durch die Teilnehmer, Interessen-Blitzlicht, Stundenplan-Erstellung.
Ich durfte meine Session zum Thema “Spreadshirt OLP 1.6 - Crowdsourcing mit Wordpress” gleich zu Beginn halten. Allerdings nicht im großen Raum, in welchem Gerrit van Aaken parallel zu mir sprach, sondern in einem der drei Nebenschauplätze, einem ehemaligen Design-Küchenstudio. In diesem stellte ich zuerst den Beamer auf einen Mülleimer und anschließend unser Open-Logo-Projekt einer sehr interessierten Zuhörerschaft von ca. 30-40 Leuten vor. Dankenderweise hatte mir zuvor Andreas Dittes einen Adapter für den Video-Ausgang meines Powerbooks geliehen (merke: die überdimensionierte Größe eines Koffers ist nicht in der Lage die mangelnde Leistungsfähigkeit eines Gehirns zu kompensieren).
Neben meiner eigenen, wohnte ich im Verlauf des ersten Wordcamp-Tages u. a. Sessions zu “OpenID” (Oliver, agenturblog.de), zur “Sicherheit von Wordpress Plug-Ins”, “FacePress” einem interessanten neuen Plugin für Wordpress, mit dessen Hilfe man nicht nur seinen eigenen Blog zum Mini-Social Network tunen, sondern seine “Freunde” und deren Blog-Aktivitäten über sämtlichen das Plugin verwendenten Wordpress-Blogs hinweg mitnehmen kann, “Bloggen und Recht” und “Wordpress MU“, der Multi-User-Fassung von Wordpress, die es erlaubt, mehrere WP-Blogs zentral zu administrieren, bei. Es waren noch ein, zwei mehr - aber die waren weit langweiliger, als die soeben genannten.
Bei einem doppelten Stamperl “Samova“-Tee lautete um 17 Uhr mein inneres Fazit zu Tag eins: hervorragende Rahmenbedingen, insgesamt mittelmäßig spannende/neue Inhalte und: z. T. schienen die anwesenden Mini-Notebooks von Asus mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, als die Vorträge.

HumanEmpire

Nach Feierabend lieferte ich schnell meinen inzwischen leeren Koffer in “meiner” Wohnung ab und machte mich mit meinem Gastgeber zum “Human Empire“-Laden auf der Schanze auf - schöne und vergleichsweise preisgünstige Hamburger Designer-T-Shirts shoppen. Der auf dem Weg vom Wind angepeitschte und unsere Jeans durchnässende Regen machte mir klar, warum Jan Eißfeldt auf dem letzten Beginner-Album davon sprach, dass sich in Hamburg Apotheker alleine mit dem Erlös aus dem Verkauf von Anti-Depressiva Stuttgarter Sportwagen kaufen könnten. Naja, aber der Ausflug zu HE hat sich definitv gelohnt - zwei nice Shirts für zusammen 40 EUR gekauft und einen Reggae-hörenden bayrischen Verkäufer kennengelernt.
Um uns zu trocknen, aufzuwärmen und für den Abend bereit zu werden, haben wir uns dann in ein Restaurant mit bestechend gutaussehendem weiblichen Service-Personal und schmackhaften, riesigen Haus-Burgern begeben. So gestärkt zog ich mit den Fork-Jungs später durch die Kneipen und Clubs der Stadt, die hier in Hamburg so nette Namen wie “Drei-Zimmer-Wohnung“, “Cobra Bar” oder “Golden Pudel” tragen. Ein Fest. Eigentlich wollte ich mich unterwegs auch noch mit Markus von MyAlikes treffen, hat leider nicht geklappt. (Aber wir trinken unser gemeinsames Bier schon noch einmal - spätestens, wenn Du im Februar nach Leipzig kommst.)

Sonntag
Der Sonntag begann nach - zugegenen etwas verspätetem - Verlassen des Hauses da, wo die samstägliche Nacht endete: vorm Pudel Club a.k.a. Rokko Schamoni´s Wohnzimmer. Dieser liegt nämlich genau am Fischmarkt, wo man vorbeikommt, wenn man an der Elbe entlang zum Stilwerk schlendert.
Im Stilwerk war das Programm dann etwas weniger voll bestückt als am Samstag - was meiner u. a. durch Müdigkeit leicht eingeschränkten Aufnahmefähigkeit entgegen kam.
Highlight war dann auch ein Gespräch abseits der Sessions - das mit Peter von “Julie und Grace“, einem neuen und erst letzte Woche auf “Exciting Commerce” vorgestelltem “Spreadshirt für Schmuck”. Auf der Plattform kann man sich in einem Flash-Tool eigene Hals- und Armketten zusammenstellen. Diese werden dann in Bali gefertigt und landen 3-4 Tage später in den Briefkästen der Kunden bzw. Kundinnen. Ein besonders cooles Feature dabei ist, dass das fertige Schmuckstück nach Fertigstellung fotografiert wird und dem Besteller/ der Bestellerin so schon vor Versand per E-Mail gezeigt werden kann. Zusätzlich zum Designer gibt es - wie bei uns - auch einen Marktplatz, auf dem besonders findige Perlenaufreiher(innen) Ihre Werke feil bieten können. Sehr fein das.

Dann war´s auch schon zu Ende das Wordcamp. Für die echt herausragende Organisation habe ich mich bei Cem und Valentin bereits bedankt und mach das hier gerne noch einmal - dass ich inhaltlich nicht immer soo zufrieden war, wurde bereits weiter oben erwähnt. (V.a. bei der abschließenden Diskussion zu Blog-Magazinen hätte ich mir eine konstruktivere Runde gewünscht (die unter Bloggern stark ausgeprägte Basisdemokratie bzw, das Ablehnen menschlicher Gatekeeperei scheint mir gerade bei der Erstellung von kollaborativen Werken nicht immer qualitätsfördernd zu sein) - schade fand ich z. B., dass sich Jan Tißler, dessen Upload-Blog über digitales publizieren ich sehr gespannt verfolge und der mir gute Dienste bei meiner Master-Arbeit erwiesen hatte, nicht an dem Panel beteiligte (oder hab ich Dich bloß nicht erkannt? :-)).

Die Sachen, die ich dann zwischen Wordcamp-Ende und Zug-Abfahrt gemacht habe, gibt´s wegen des sich nun akut bemerkbar machenenden Schlafmangels nur noch in Stichpunkten:

  • nette Galerie, deren Name mir entfallen ist, besucht
  • vor verschlossenen Türen einer Videokunst-Ausstellung gestanden
  • am neuen Cleptomanicx-Büro vorbeigegangen
  • Window Shopping in der Marktstraße betrieben
  • Byte FM ein Geschenk in den Medien-Bunker gelegt
  • Human Empire-Shirts bei Fork-Freund abgeholt
  • Abendessen genossen
  • Verabschiedung nicht so genossen - das Wochenende in Hamburg auf dem und um das Wordcamp war alles in allem vom Feinsten.

Montag
Im Laufe des heutigen Nachmittags wird dann das Kofferrätsel gelöst (mal schauen, ob ich so viele Milchtüten aufstellen kann).

P.S. Ich habe in diesem Post absichtlich darauf verzichtet, bestimmte fachliche Inhalte ausführlich wiederzugeben, weil ich nicht weiß, inwieweit Euch diese interessieren. Solltet Ihr zu bestimmten Themen tiefergehende Informationen haben wollen, bitte einfach in den Kommentaren oder per E-Mail fragen.

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9 Responses to “Von stilvollen Werken und goldenen Pudeln - auf dem und um das Hamburger Wordcamp”


  1. 1 by Jan | Jan 28th, 2008 at 2:13 pm

    Hi, vielen Dank, dass Du mich beim “Blog Magazin”-Panel vermisst hast. ;-) Am Sonntag war ich schon wieder auf dem Weg zurück nach Berlin. Bei den meisten anderen Sessions, die Du oben genannt hast, war ich allerdings auch dabei.

  2. 2 by Tobias | Jan 28th, 2008 at 2:46 pm

    hey jan. okay. naja, vielleicht lernt man sich auf einer anderen veranstaltung ja mal kennen. würd mich sehr freuen.

  3. 3 by Katrin | Jan 28th, 2008 at 4:20 pm

    Hi,
    ich bin die Freundin von Michael.
    Danke das dir unsere/meine Shirts gefallen.

  4. 4 by Tobias | Jan 28th, 2008 at 6:44 pm

    Hey Katrin.
    Nix zu danken :-)

  5. 5 by Dennis Morhardt | Jan 29th, 2008 at 5:42 pm

    Danke für den Besuch meiner Session zu WordPress MU, kann ich dich fragen was dir gefallen hat und was nicht?

  6. 6 by Tobias | Jan 29th, 2008 at 5:51 pm

    Freilich.
    Mir hat gefallen, dass Du einen sehr kompetenten Eindruck hinterlassen und auch die Schwächen des Systems angesprochen hast.
    Noch ne Anregung: Evtl. wären mehr Screenshots bzw. eine Live-Demo noch gut gewesen, um den Vortrag etwas plastischer zu machen.
    Anosnten: Wordpress MU is ne feine Sache - nutzen wir hier auch (falls Du mal ne Case Study zum vorzeigen brauchst ;-))

  7. 7 by Dennis Morhardt | Jan 29th, 2008 at 5:59 pm

    Vielen Dank für den Hinweiß. Eine Livedemo wäre möglich und mit den Screenshots stimmt ich werd meine Session aufbessern und bilderreicher machen. Was ich in der Session vergessen hatte zu sagen, war das ich WordPress MU für einen Kunden zum Domain Parking eingerichtet habe als Alternative zu Sedo.

  1. 1 Wie fanden es die Teilnehmer? » Beitrag » Wordcamp 2008
  2. 2 mgBlog » Blog Archiv » Eindrücke vom WordCamp 08

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