
Eine Kernfunktion von Marken ist es, dem Konsumenten bei seinen alltäglichen Shopping-Safaris durch den dicht bewachsenen Produktdschungel dank ihres grafischen Wiedererkennungswerts eine Orientierungshilfe zu geben. Eine andere - insbesondere von Bekleidungsmarken - ist es, dem Käufer beim Gebrauch der Markenartikel einen symbolischen Mehrwert zu bieten: ein bisschen Prestige hier, ein wenig Identität da.
Gerade zweites ist recht praktisch: so weiß man z. B. in der Straßenbahn zur Uni immer recht schnell, welchem Fachbereich der oder die Sitznachbar/in angehört. Ein Blick auf die Schuhe und/oder aufs Hemd genügt: Chucks, Doc Marten´s oder Adidas Campus = Sozialwissenschaften, Nike Air Max = Sport, Ralph Lauren = BWL usw.
Dieses (zugegeben recht vereinfacht dargestellte) Prinzip ist so simpel, dass es sogar die Londoner Polizei versteht und sich seit neuestem bei der Jagd nach Verbrechern zu Nutze macht: Sie hat ihren recht großzügig verteilten CCTV-Überwachungskameras, die sich trotz technologischer Fortschritte immer noch recht schwer damit tun, Gesichter zu erkennen, beigebracht, Logos zu lesen.
The Metropolitan Police is looking into technology which can automatically identify branded logos on clothing. Police believe that tracking suspects by their distinctive clothes will help cut down on the manual scanning of hundreds of hours of video footage. The technology is already used to automatically identify company logos in TV broadcasts of sporting events. (Quelle: BBC)
Im UK-Blog von Spreadshirt macht sich Adam Sorgen über die möglichen Konsequenzen, die die kriminologische Gleichung “Person” + “Brand” = “potentieller Verbrecher” nicht nur für unschuldige Träger, sondern auch für Marken haben könnten, die sich hoher Beliebtheit in bestimmten Gewalt-affinen gesellschaftlichen Gruppen erfreuen:
I don’t want to get all big brother here, but this scares me a bit. Its best not to think about the amount of times your recorded on camera whilst wondering around central London. You don’t need to think about it, because you’re not doing anything wrong. But what concerns me is what might happen to particular brands which might become associated with crime or anti-social behavior.
Uns bei Spreadshirt könnte diese Entwicklung (wenn wir nicht generell was gegen sinkende Hemmschwellen bzgl. des Eingriffs in die Privatsphäre hätten) hingegen eigentlich nur Recht sein - verstärkt sie doch das Bedürfnis nach Raster-Fahnung untauglicher, individueller Bekleidung …
P. S. Tipp: Nicht speziell mit dem Thema “Marken und Videoüberwachung”, sondern mit dem Überthema Überwachungsstaat, hat sich David Scharf von der FH Augsburg gestalterisch anspruchsvoll in Video- (und T-Shirt)-Form auseinandergesetzt: Stop The Big Brother State.










haha, guter Beitrag. Die klassischen Marken sind also so eine Art Balken-Code, der die Einordnung des Individuums erlaubt. Da ist es nur konsequent, dass dieser Prozess jetzt auch automatisiert wird. Mit Spreadshirt der Chamäleon-Marke wäre das nicht passiert..
da ist was dran, lol.