Juliane ist erfahren im Lösen der Probleme anderer Leute. Als Sprecherin ihrer Ausbildungsklasse waren es die ihrer Mitschüler. Als Callcenteragentin schlug sie sich mit spielsüchtigen Onlinefreaks herum, die beim Pokern mehr Geld verzocken wollten. Ihre geballte Erfahrung stellt sie nun in den Dienst von Spreadshirts Shoppartner-Seelsorge. Ein Gespräch.

Wie lange bist du schon hier?
Seit drei Monaten. Der Tipp kam von einer ehemaligen Kollegin. Hier wurde ja jemand gesucht, der Callcenter-Erfahrung hat, Fremdsprachen kann und sich auch im Druckbereich auskennt. Ich habe zwei Ausbildungen in verwandten Bereichen, die Stelle hat also perfekt auf mich gepasst.
Was ist dein Werdegang?
Nach der Schule war ich ein bisschen ratlos und habe erst mal eine Ausbildung zur Mediengestalterin gemacht. Ich habe auch eine Weile in dem Beruf gearbeitet, aber dann lief es in der Firma nicht mehr so gut, und ich musste mich anderweitig umschauen. Und da hab ich die Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin drangehängt. Lustigerweise war das sogar an derselben Schule, der Gutenbergschule hier in Leipzig. Ich war dann sogar Klassensprecherin.Außerdem war ich zwei Mal im Ausland, in den USA und bei der deutsch-französischen IHK in Paris. Nach der zweiten Ausbildung hab ich in einem internationalen Callcenter gearbeitet, und dann bin ich hierher gekommen.
Du hast im Callcenter gearbeitet? Hast du da den Leuten Finanzdienstleistungen oder überteuerte Reinigungsmittel angedreht?
Nein!!! Gott sei dank war das Inbound, eine Hotline für ein Internet-Bezahlverfahren. Es ging um Internetspiele, Poker, Onlinekasinos, solche Sachen. Die Klientel war schon manchmal etwas seltsam, da waren richtiggehend Spielsüchtige dabei, denen ihr Budget nicht gereicht hat. Die sind auch mal ausfällig geworden, da brauchte man schon ein dickes Fell. Aber wir hatten ein tolles Team, sehr international. Joanna, die Engländerin in meiner Abteilung, hab ich dort kennengelernt.
Worin besteht deine Arbeit bei Spreadshirt?
Ich betreue im Service unsere Shoppartner. Wenn die ein Problem mit dem Layout haben, irgendetwas wissen wollen, dann landet das bei mir. Ich hab natürlich nicht alle Auskünfte sofort parat, manchmal muss ich Leute aus anderen Abteilungen fragen, die sich damit besser auskennen. Außerdem mach ich noch die Premium-Upgrades, das geht ja immer noch manuell. Und ein paar Mal pro Woche habe ich Dienst an unserer Hotline.
Was gefällt dir an deiner Arbeit, was nicht?
Es ist ein junges nettes Team, wir arbeiten prima zusammen. Noch besser wird das bestimmt, wenn wir wieder mit der Produktion zusammenziehen, im Moment fehlt da ja etwas der persönliche Kontakt. Die Arbeitszeiten sind deutlich besser als im Callcenter, da haben wir im Schichtsystem gearbeitet, 24 Stunden und sieben Tage die Woche… Auch hier ist es manchmal so stressig, dass ich keine Mittagspause mache, um abends halbwegs pünktlich nach Hause zu kommen. Aber zum Glück helfen die Kollegen auch gerne mal aus, wenn es zuviel wird.
Was war bisher die seltsamste Kundenanfrage?
Neulich hat einer angerufen und sich beschwert, dass ihm sein Shirt nicht passt, obwohl er es in XL bestellt hatte. Als ich seine Bestellung überprüft habe, stellte ich fest: Es war ein Girlie-Shirt, die sind nun mal auch in XL etwas kleiner. Das passiert gar nicht so selten, denn das Girlie erscheint als erstes im Designer. Dabei kann man es auf dem Foto gut erkennen, die Kontur ist… eindeutig weiblich. Aber manche Kunden überlegen halt nicht groß und nehmen das erstbeste Shirt.Und dann gab es mal einen Kunden, der hat Freitag nachmittag angerufen und wollte 30 Shirts für etwa 600,00 EUR. Bis Samstag! Das geht auch nur mit Vorkasse. Der hat auch gar nicht einsehen wollen, dass das nicht so einfach geht, weil wir ja erst auf den Geldeingang warten müssen, und gedroht, er schließe seinen Shop gleich am Montag.
Was machst du in deiner Freizeit?
Im Sommer dreh ich gerne nach der Arbeit eine Runde mit dem Rad um den See, wenn ich den ganzen Tag am Schreibtisch sitze, brauch ich ein bisschen Bewegung. Ich hab den Stern im Abo, den lese ich gern, für Bücher fehlt mir einfach die Zeit. Außer im Urlaub, da kann es schon mal ein englisches oder sogar ein französisches sein. Dann gucke ich auch gern mal einen Tatort. Im Winter fahren wir Ski, im Sommer sind Grillpartys schön, überhaupt bin ich gern auf Partys… So ganz normale Sachen also.
Bist du auch privat gern im Netz unterwegs?
Also, seit ich hier arbeite, weniger. Ich sitz ja den ganzen Tag vorm Rechner, da bin ich abends froh, wenn das Ding aus ist. Da nehm ich mir lieber ne Zeitung.
Wo warst du zuletzt im Urlaub?
In Kanada, im Februar. Es war eiskalt, mit Bergen von Schnee. Meine beste Freundin aus der Schulzeit ist dorthin ausgewandert. Das wäre auch ein Traum von mir… Aber leider ist das mit dem Visum ja nicht so einfach, die haben sehr strenge Bestimmungen.
Wenn du für einen Tag der Boss hier wärst, was würdest du tun?
Ein 13. Monatsgehalt für alle!
Okay, jetzt machen wir noch ein kleines Entscheidungsspiel. Ich sage zwei Begriffe, und du suchst immer einen aus. Berge oder Meer?
Meer.
Kamillentee oder Kaffee?
Ohje. Kamillentee eigentlich nur, wenn ich krank bin. Dann eher Kaffee.
Zucker oder Zückli?Zucker.
McDonalds oder Burger King?Ich koche lieber selber. Burger King, wenn’s sein muss.
Revoluzzer oder Streber?Streber auf keinen Fall. Also Revoluzzer.
Frühaufsteher oder Langschläfer?Frühaufsteher
Geld oder Liebe?Liebe, eindeutig.
Kinder oder Karriere?Kinder. Ich bin nicht so der Karrieretyp, mir reicht ein Job, der mir Spaß macht und von dem ich gut leben kann.
Beethoven oder Wildecker Herzbuben?Na dann eher Beethoven.
Was magst du denn für Musik?Unterschiedlich. Deutsche Sachen, Mia zum Beispiel. Manchmal House. Shakira und Nelly Furtado finde ich auch gut.
Okay, einen hab ich noch: Bluse oder T-Shirt?T-Shirt
Richtige Antwort, hundert Punkte. Wer soll das nächste Interview geben?
Manon, unsere französische PR-Managerin.










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