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Chucky der Mörderschuh

Photo: Lutz Caesar

Es kommt in Schüben. Nicht immer. Aber immer wieder schallt es durch das Forum “Hört doch mal auf Eure Shop Partner!” Es gibt keinen Bereich unseres Geschäfts, bei dem unsere Community kommentarlos die Segel streichen würde. Es gibt immer einen Kniff auszuprobieren. Immer einen Teil des Sortiments zu erweitern. Und das ist auch gut so. Nur geht es unserer Community oft nicht schnell genug. Schnell werden wir der Ignoranz bezichtigt. Nur ist die Umsetzung von Ideen oft gar nicht so einfach. Und Innovationen gehen ab und zu einfach mal daneben. Deshalb gibt es heute mal keine Schöner -Erfolgreicher - Glücklicher - Produktstory, sondern eine Geschichte des Scheiterns. Eine Geschichte, die zeigt, warum jede Art von Produktänderung überlegt sein will und am Ende auch ein breites “Geil” täuschen kann. Eine Geschichte, die für Verständnis werben möchte. Die Geschichte von Chucky dem Mörderschuh.

Keine Angst, Chucky hat niemandem auf dem Gewissen. (Noch nicht). Sein Name ist lediglich billige Effekthascherei. Seine Geschichte allerdings ist wirklich eine Geschichte des Scheiterns. Aber lassen wir Chucky doch selbst zu Wort kommen.

Hallo Chucky, Du liegst jetzt hier schon seit Monaten im HQ herum, aber irgendwie kann keiner etwas mit dir anfangen. Könntest Du uns kurz deine Geschichte erzählen? Ja, klar. Hi erstmal. Meine Name ist eigentlich Black Canvas und wie Du siehst, bin ich ein schwarzer Leinen-Sneakers. Aber alle nennen mich nur Chucky.

Du erinnerst mich an jemanden…. Ich weiß nur nicht… Ja, ja. Ich sehe Chuck dem Converse-Schuh verdammt ähnlich. Deshalb auch mein Spitzname. Keine Ahnung. Muß wohl an den Genen liegen. Die kreuzten sich anfangs des 20. Jahrhunderts irgendwo in den USA. Keine Ahnung. Schuhe meiner Machart sahen damals alle so aus. Damals, als es noch keine elektronischen Dämpfungssysteme gab oder Schnickschnack wie Luft in der Sohle. Gummilederstoff. Das war das Geheimrezept. Wir waren einfach gestrickt. Es gab auch keine Megadollarkampagnen. Keine Helden. Keine Selbstverwirklichungsdefizite, die wir hätten ausgleichen können. Die Leute haben uns noch wegen uns gekauft. Nicht, weil wir irgendwas versprochen hätten. Eigentlich haben wir gar nichts versprochen. Ja, vielleicht ist es das. Wir haben nichts versprochen, wir waren einfach da. Von dieser Ehrlichkeit der Anfangsjahre profitiert unsere Gattung heut noch. Na ja, und die Chuck’s sind halt die großen Überlebenden. Die machen seit diesen Tagen die große Kohle damit. Unser einer muss sich dagegen auf die harte Tour durchbringen. Sich bedrucken lassen. Doch es gibt schlimmeres, als den Plagiatvorwurf. Viel schlimmer ist die Einsamkeit.

Einsamkeit? Eigentlich habe ich einen eineiigen Zwillingsbruder. Fast eineiig. Bei ihm ist alles gespiegelt. Aber ansonsten gleichen wir uns wie ein Ei dem anderen. ääähhh? Du weißt was ich meine. Auf jeden Fall ist mir mein Bruder irgendwie kurz nach der Geburt abhanden gekommen. Doch ich fühle, dass er noch immer irgendwo da draußen ist. Was sagt deine Mutter dazu? Keine Ahnung. Ich konnte ihre Sprache nicht verstehen. Ich hab nicht mal die komischen Zeichen verstanden, die überall in der Fabrik an den Wänden standen. Waren die komischen Dinger aus den Kung Fu-Filmen. Und wo ich zur Welt gekommen bin, wird nicht viel geredet. Drum hab ich auch am Ende einfach 1 und 1 zusammengezählt und mir meinen eigenen Reim gebildet.

Nun bin ich aber mal gespannt. Setz dich! Eigentlich kommen Schuhe wie ich IMMER paarweise zur Welt. Aber leider werden bei Laborversuchen manchmal die Spielregeln geändert.

Spielregeln? Laborversuche? Ruhe! Eigentlich treten wir immer paarweise auf. Denn nur dann können wir unser ganzes Potential entfalten. Spar Dir jetzt die Witze mit Einbeinigen. Jeder der schon mal einen seiner Schuhe verloren hat, sei es durch Alkohol, den Sicherheitsclip im Kaufhaus oder Waldi auf Kerosion, der weiß, sowas ist verdammt noch mal nicht witzig. Es wird nie wieder wie früher. Selbst eBay ist da machtlos.

Ich bin dabei ganz unschuldig in mein Schicksal gestürzt. “Höhere Gewalt” würde es der Amtsschimmel sicher nennen. Das Brüderlein ist einfach durch einen anderen Geburtskanal gerutscht und mit all den anderen Geburtsgenossen in einer Kiste in die USA ausgewandert. Nur für mich war auf der kubischen Mayflower aus Pappe leider kein Platz mehr. Ich musste ja unbedingt nach Europa.

Selbstfindungstrip? Schön wär’s! Aber Quatsch. Heiß machen sollte ich euch. Hübsch mit dem Popo wackeln, damit ihr anbeißt. “Journalistenreise”. So nennt man das doch in Eurem Métier? Während meine Leute überm Teich längst mit dem 23,90$-Tag in die eCommerce-Distributionskette eingereiht sind, spiele ich hier den Prototypen zum Begaffen. Alle durften mich mal kurz anfassen. Aber wie’s mit meinem Sozialleben aussieht, interessiert hier keine Sau. Während andere Schuhe längst in Fußschweiß ersaufen, Rockstars beim Selbstmord begleiten oder häßliche offene Frakturen verdecken, sitz ich hier rum und warte auf den Tag des jüngsten Gerichts. Für einen Schuh echt das Weltende. Andere Schuhe haben ja wenigstens einen Luxus. Bei Nichtverkauf gibt’s den ganzen Tag Frauen hinter Glas. Aber ich? Ich hocke hier im Brand Marketing zwischen Warenmustern aller Art und lebe in einer Geruchswelt, die mit Zeugwartkabine noch liebevoll umschrieben ist. Dabei hat’s am Anfang ja noch Spaß gemacht. Ich stand im Mittelpunkt und es gab Flötentöne allerorten: “Schuhe bedrucken? Interesante Sache… denke mal das es auch ankommen könnt.” “Mich würde mal interessieren, wie lange es noch dauert bis es die Schuhe auch hier geben wird!” “interessier mich auch mal, wie lange ihr noch braucht um auch uns die schuhe verfügbar zu machen…” Doch dann kam irgendwie der Markt in Übersee mit meinen Leuten nicht so recht in Schwung. Während ich hier in Europa nämlich auf Unikat im bitteren Sinne machte, durften meine Artgenossen in den US-Shops schon nach Lust und Liebe bedruckt und gekauft werden. Doch wie gesagt. Schwung kam nicht rein. Obwohl wir einer der Artikel sind, die in den meisten US-Shops inzwischen angeboten werden, verkaufen wir uns gleichzeitig von allen wiederum am schlechtesten. Eigentlich gar nicht. Die Shop-Partner lieben uns. Die Käufer ignorieren uns. Wir sind nur als digitale Objekte begehrenswert. Klingt wohl nach ner zweiten Karriere in Second Life? Hähäh. … Okay. Schon gut. War ja nur ein Schuhwitz. Kann ich noch was sagen?

Klar! Also, wenn mich da draußen jemand hört, der so aussieht wie ich. Oder jemand hat eine tolle Idee, wie ich meinen Ruhestand verbringen kann.

HOL MICH BITTE HIER RAUS!

Okay hier endet erst einmal die traurige Geschichte von Chucky dem Mörderschuh. Auch wenn Chucky irgendwie zu hart aufgeschlagen ist, so hat er doch die Wahrheit im Ganzen schon erzählt. Die Probeläufe in den USA mit den Schuhen laufen nicht gerade rosig. Wir haben einen Haufen Geld ausgegeben und sitzen jetzt auf Kisten voller undankbarer Schuhe, die uns die Schuld für ihr Scheitern geben. Der Fall von Chucky und seinen Freunden zeigt uns, dass wir mit dem Umsetzen von Veränderungsvorschlägen vorsichtig umgehen müssen. Anfangs waren sich alle einig, dass der Schuh perfekt ins Angebot passen würde. Doch das Käuferinteresse fehlt am Ende. Der Aufwand steht dadurch in keinem Verhältnis mehr zum Erfolg. Und auch wenn Scheitern und Innovation zusammengehören wie Pech und Schwefel, entscheidet hier wie so oft die Menge zwischen Medizin und Gift. Deshalb werden Chuckys Schicksal sicher noch einige Dinge bei Spreadshirt folgen. Wir sind jedoch hellwach, dass dies nicht allzu oft passiert. Ach ja, ich habe gehört, die ersten 20 Shop Partner, die auf die neue Shop-Vorlage umstellen, können eine Uhr gewinnen ;-)

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14 Responses to “Chucky der Mörderschuh”


  1. 1 by ami.) | Mar 5th, 2007 at 1:17 pm

    chucky lügt: in wahrheit waren die chucks ja die ersten “heldenschuhe” (bevor die nike-dudes dann ikonisierung als ihr grosses ding entdeckt haben)
    http://en.wikipedia.org/wik…
    http://en.wikipedia.org/wik…

  2. 2 by Melly | Mar 5th, 2007 at 1:17 pm

    Na ja, ich bin gerade wie so oft in letzter Zeit, arg enttäuscht.
    Ihr unterscheidet immer falsch!

    Community - Ist ein Haufen meist etwas jungerer, nicht lange dabei seiender Jungs und Mädels, die sich mit dem ein oder anderen FreeShop umherschlagen. Sie finden alles aus der Sandkiste spannend, haben weder von Marketing noch Gewinn einen Überblick. Sie finden Chucks spannend - Ärgern sich aber nicht über die Preise, denn selbst kaufen können sie je nichts.

    Shoppartner hat Spreadshirt eine ganze Menge in einer Liga, die mehr mitsprechen sollte, das aber nicht tun wird, weil sie eben zu groß für den Mist sind. Oder hat Plus bei euch Tragetaschen für 6,90 € geordert? Oder haben alle Fußballer die noch einen Shop haben, euch vorgegeben, sie wollen Fußbälle? Wenn sie es denn würden, dann hätte die Sache Sinn. Mehr Sinn, mehr Tragweite.

    Die Community in allen Ehren, doch die hat nicht die Nachhaltigkeit, die bei Produkten von Nöten wäre. Was “verkaufende” Shops beitragen, sollte man vielleicht mehr beachten. Und durchaus mit dem ein oder anderen wirklich umsatzfreudigen Shop über Wünsche sprechen, die diese Shops haben.

    Übrigens sind die neuen Templates Bockmist. Weil einfach noch nicht fertig! Gar keine Dokumentation, gar keine Hinweise mehr, Radikal anders und arg dürftig. Komplizierter geht es bestimmt auch noch - Wirklich?
    Umstellen werde ich somit am letzten Tag. Wenn auch schon jetzt die Navigation im “alten” Shop nicht mehr ganz da ist. Zurück zum Shop aus der Wagen, geht nicht mehr. Bild weg. Und so weiter.

  3. 3 by Chucky der Schuh | Mar 5th, 2007 at 1:56 pm

    Ich sach ja, mit Taylor begannen sie die große Kohle damit zu machen. Aber auch der Chuck’s ist ursprünglich als sinnloser Basketballschuh namens “All Stars” auf die Welt gekommen. Das Taylor-Siegel haben sie erst danach drauf gebappt.

    Mein Wikipedia-Pokemon-Gegenangriff:

    http://en.wikipedia.org/wik…

  4. 4 by Christian | Mar 5th, 2007 at 2:15 pm

    Hallo Melly,

    “Community - Ist ein Haufen meist etwas jungerer, nicht lange dabei seiender Jungs und Mädels, die sich mit dem ein oder anderen FreeShop umherschlagen.”

    Jetzt fängt die Community schon an, die Community zu dissen ;-)

    Trotzdem mal ein paar ernste Worte zu deinen ernsten Wünschen:

    “Was “verkaufende” Shops beitragen, sollte man vielleicht mehr beachten. Und durchaus mit dem ein oder anderen wirklich umsatzfreudigen Shop über Wünsche sprechen, die diese Shops haben.”

    Das tun wir. Die Äußerung, dass sich die Schuhe nicht verkaufen, bedeutet ja nicht, das diese Shops gar nichts verkaufen. Außerdem bringt eines der Naturgesetze des Internet es quasi mit sich, dass sich die Betreiber der erfolgreichsten Shops auch am meisten zu Wort melden. Im Gegenteil, es herrscht meiner Ansicht nach, wenn überhaupt eine Verzerrung zu deren Gunsten. Die anonyme Masse der Kiddies, die du da skizziert hast ist kaum jene, deren Stimme hier besonders oft vernommen wird.

    Zum Thema Shop-Vorlage. Also so radikal anders ist sie doch nicht wirklich. Im Großen und Ganzen ändern sich ein paar Maße und ein wenig das User Interface. Zum Thema Begleitmaterial allerdings sind unsere Ohren offen. Wenn es da Informationsbedarf gibt, werden wir den liefern.

    Was würdest Du Dir konkret an Begleitmaterial wünschen?

    Was sollten wir darstellen und wie sollte das passieren.

    Unsere Ohren sind offen ;-)

  5. 5 by ami | Mar 5th, 2007 at 9:00 pm

    dem kann ich nur hinzufügen: wir arbeiten auch weiter dran. es soll ja in kürze noch mehr templates geben, vielleicht macht man auch eines wo das thema CSS ein bisschen leichter einsehbar ist …

  6. 6 by arastegar | Mar 6th, 2007 at 2:09 am

    sorry bin zu beschäftigt meinen shop fertig zu machen….also kan ncih den text nciht gnaz lesen…heißt es dass es jetzt doch keine chucks geben wird?! haben die sich so schlecht verkauft? 90% meinses freundeskreises (lässt sich aber auch auf die ganze szene reflektieren) trägt chucks und war von der idde meine eigene chucks raus zu bringen echt begeistert vorallem für 35 euro (oder wieviel sie im us shop gekostet haben) ghet die sasche mehr as durch…wäre es vll ne möglichkeit ne umfrage im deutschsprachigen raum zu machen?! find ich echt schade dass chucks es nciht schaffen, aber grillschürzen, uhren,tangas(?!) und trikots es schaffen. frag mich echt was bei spreadshirt geht :P!

  7. 7 by Grandmaster Flash | Mar 6th, 2007 at 1:14 pm

    “Zum Thema Shop-Vorlage. Also so radikal anders ist sie doch nicht wirklich. Im Großen und Ganzen ändern sich ein paar Maße und ein wenig das User Interface”

    Die Aussage ist eine Selbstdisqualifikation als kompetenter Gesprächspartner zu dem Thema.

    “Zum Thema Begleitmaterial allerdings sind unsere Ohren offen. Wenn es da Informationsbedarf gibt, werden wir den liefern.”

    Sicher, das ist ja auch die Vorgehensweise jedes seriösen Unternehmens.Genau so machen das ja Hersteller von Kameras, Auttos, MP3-Playern und so weiter auch. “Wenn das wirklich jemand will, liefern wir irgendwann auch noch mal eine Bedienungsanleitung nach. Aber bis dahin viel Spaß beim ausprobieren aller Funktionen”

  8. 8 by ami | Mar 6th, 2007 at 10:30 pm

    also das beispiel mp3 player, kameras und autos würde ich nicht bemühen — die machen ja grade vor, wo man überall sparen kann.

    nochmal: es wird noch weitere templates geben, das frühe release war für leute, die ihr eigenes CSS aufsetzen wollen - oder einfach “so” aufs neue look&feel wechseln wollen. wir haben noch knapp 2 monate zeit zur umstellung also keine panik. mehr dazu in kürze.

  9. 9 by Grandmaster Flash | Mar 7th, 2007 at 12:49 am

    “also das beispiel mp3 player, kameras und autos würde ich nicht bemühen — die machen ja grade vor, wo man überall sparen kann.”

    Tja, ich bezog mich auf Qualitätsware, nicht auf Billigprodukte. Aber Spreadshirt muss ja selber wissen, wo es sich einordnen will.

  10. 10 by Christian | Mar 7th, 2007 at 2:32 pm

    Jetzt wo’s um Haarspalterei geht, will ich auch spalten:

    Autos zum Beispiel sind doch nun wirklich Produkte, wo jede knarzende Spalte mit Argwohn betrachtet wird. Und bei mp3-Playern ging es wohl eher ums intuitive Bedienkonzept.

    Die Shopvorlage liegt sicherlich dazwischen. Ganz so intuitiv wie Push Play ist sie sicher nicht. Aber vor einer auschließlichen Betriebserlaubnis nur mit Führerschein brauch auch keiner Angst haben.

    Trotzdem again: Was wünscht ihr euch an beschreibenden Elementen?

    Meckern läßt zwar Dampf ab, hilft uns hier aber nicht weiter. Deshalb brecht den Meckerselbsterhaltungsprozess und gebt bitte auch sachdienliche Hinweise.

  11. 11 by ami | Mar 7th, 2007 at 3:21 pm

    leute, das beispiel autos / mp3 player ist deshalb fehl am platz, weil wir es hier mit software zu tun haben, und sowohl unsere alten als auch die neuen templates funktionieren. was die dokumentation und die bedienbarkeit angeht werden wir wie gesagt in 2 monaten umstellen und bis dahin sicher auch noch ein weiteres CSS-template anbieten.

  12. 12 by Grandmaster Flash | Mar 7th, 2007 at 3:36 pm

    Ein vernünftig dokumentierte CSS-File.
    Konkret genug?

  13. 13 by ami | Mar 7th, 2007 at 9:09 pm

    ja, konkret genug. und auch nicht zuviel verlangt ;)
    -> dazu wird es in kürze ein pdf bzw. noch eine spezielle seite geben.

  14. 14 by corbel | Jun 20th, 2007 at 9:40 am

    Great blog!

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