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Wieviel Wasser Braucht Dein Shirt?

 

Wir lieben ja die Baumwolle, und lassen nichts auf sie kommen. Schon gar kein Glyphosat. Das heißt, ganz so einfach ist das nicht. Denn wer nicht impft, erntet nicht. Oder jedenfalls viel weniger. Und das Produkt wird dann entsprechend teuer. Doch Effizienz hat ihren Preis, darunter Wassser und Gesundheit: dass der Aralsee die Folgen des Baumwollanbaus wohl kaum verkraften wird (trauriges Ende für so einen viertgrößten See der Welt), gehört mittlerweile zum Schauer-Repertoire jedes besseren Erdkunde-Lehrers.

Wie berichtet, schlägt Spreadshirt jetzt zurück. Und zwar mit Hilfe von American Apparels Sustainable Edition, die wir ab April im Sortiment haben. Auch Continental Clothing zieht im kommenden Katalog mit Bio-Produkten nach. Die Diskussion zum Thema ist längst da, und sie wird die Nachfrage beeinflussen. Egal, ob man sich nun als Zottel-"Öko" definiert, oder von diesem ganzen neu-protestantischen Schweinkram nichts wissen will. Im folgenden ein paar Hintergründe zum Thema. Wer sein Faktengeprassel lieber von kompetenter Stelle bezieht, kann sich auch hier informieren: 

Baumwolle1

Baumwolle2

Baumwolle3

Die Gossypium-Pflänzchen sind nicht ohne Divencharakter. Nur wenn man ihnen reichlich Sonne UND reichlich Wasser anbietet, lassen sie sich zur Blüte herab. Zusatzklausel: wehe, das Wasser kommt von oben. Regen, igittigitt. Das haben die Herren Zellulosefasern nicht so gern. Da könnten sie ja nass werden und verkleben. Also arbeiten sie lieber an subtropischen, ariden Orten und lassen sich das Wasser von unten zuführen. Durch künstliche Bewässerung also. Was das für die wasserknappen Anbauregionen bedeutet, kann man am Schicksal des Aral-Sees ablesen.

 

Es kommt noch dicker. Die delikate Baumwolle, deren gepresstes Öl in vielen Anbauländern das Standard-Bratfett hergibt, ist beliebt bei Pilz und Tier. Entsprechend stark wird sie mit Pestiziden behandelt. Oder man macht's wie Monsanto, und schraubt solange an der Genetik, bis eine GMO-Pflanze herauskommt. Die ist dann zwar nicht wirklich gegen Pilze resistent, dafür aber gegen das Totalherbizid Round-Up ("Kräuter, wollt ihr den totalen Krieg?") aus demselben Hause. (Diese Praxis wird in der Geschäftswelt auch als "Trick 17" bezeichnet).  

Vietnam-Krieg anyone? Das Entlaubungsmittel "Agent Orange" wurde abgeworfen, um im Dschungel den Durchblick zu bekommen. Und weil die Vietnamesen das nicht vergessen können, werde sie noch heute in einigen Gebieten als Krüppel geboren. Bei der maschinellen Baumwollernte werden ebenfalls Entlaubungsmittel ausgebracht. Das Ergebnis: eine schnelle Ernte mit vielen halbkaputten und verschimmelten Fasern (die die Maschinen nicht aussortieren). Angeblich der Grund, warum billige T-Shirts nach ein paar mal Waschen schlaff werden.Für die Faktenmeier nochmal ein paar Zahlen:

  • Eine Jeans benötigt zu ihrer Herstellung insgesamt 8000 Liter Wasser, manche Quellen sprechen von bis zu 40.000 Litern
  • beim konventionellen Baumwollanbau geht an die HÄLFTE der Umsätze für den Kauf von Pestiziden drauf, die dann bis zu 14 mal pro Ernte ausgebracht werden
  • 10% der Gifte sind im Kleidungsstück noch drin, wenn es beim Endverbraucher ankommt. Mundschutz, stumpfe Hände, Allergien in allen Stationen der Produktionskette sind normal
  • ein T-Shirt legt bis zu 33.000 Flug-Kilometer zurück, bevor es bei H&M ankommt
  • Am Aral-See (zwischen Kasachstan und Usbekistan) wird seit den 1960er Jahren Baumwolle im industriellen Stil angebaut. Das Wasser des ehemals viertgrößten Sees der Erde versickert in den künstlichen Kanälen, das See-Volumen ging um 78% zurück. Pestizide versalzen den Bauern das Leben, Kinder der Gegend werden mit geschlossener Fontanelle geboren (eher ungesund)
  • aus dem Wikipedia-Eintrag zum Aral-See: "Man schätzt, dass ungefähr 25 % der Bevölkerung in den Baumwollanbaugebieten geistig retardiert ist."   

Die Antwort: Umstellung auf Bio-Baumwolle. Hierzu ein paar Stichwörter:

  • Wechselkulturen statt Monokulturen, Fruchtstreifen, z.B. Basilikumfelder (kein Witz!) durchsetzen die Plantagen und brechen die Monokultur auf
  • Regen- und Tröpfchenbewässerung statt künstlicher Bewässerung
  • Pheromon-Fallen gegen Schädlinge
  • Ernte von Hand

Bisheriger Anteil der Bio-Baumwolle am Gesamtmarkt: weniger als ein Prozent.Das Problem in der Vermarktung von Ökö-Shirts ist offenkundig. Bedruckte Tees stehen für Wandelbarkeit, Schnelllebigkeit, Trendnähe und Ein-Weg. Wer hat schon ein zehn Jahre altes T-Shirt im Schrank? Wenn dann noch das klassische Öko-Image gepflegt wird, wie zum Beispiel beim Shop der katholischen Jugend Lamu Lamu, oder beim gediegenen, aber etwas altbackenen Anbieter Hess Natur, sinken die Chancen auf eine jüngere Käuferschaft. (Hess Natur etwa garantiert für seine Textilien "Pestizidgehalte unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes für Obst und Gemüse". Bon Appetit!) Firmen wie Kuyichi dagegen setzen auf Bio UND "Trendnähe". Von American Apparel ganz zu schweigen. Machen wir uns nichts vor: der Umstieg wird kommen, die Frage ist nur wann und wer darauf vorbereitet ist. Dass Bio-Baumwolle schneller ausleiert, sich gröber anfühlt oder nicht gefärbt werden kann, sind Probleme, für die es in absehbarer Zeit eine Lösung geben wird. So verspricht AA zum Beispiel, bald "Sustainables" in verschiedenen Farben anzubieten, ohne durch die chemische Färbung die Bio-Zertifizierung zu verlieren.         Demnächst werden wir an dieser Stelle mal ein paar von den Bio-Fetzen auf Anziehbarkeit und Haltbarkeit überprüfen: freuen wir uns auf die große Spreadshirt-Zerreißprobe!

weitere Links:

Brigitte Fair Fashion  

Sueddeutsche Artikel zum Thema

Spiegel Artikel zum Thema 

 

 

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6 Responses to “Wieviel Wasser Braucht Dein Shirt?”


  1. 1 by Elisabeth Nierste | Mar 6th, 2007 at 1:26 pm

    Dieser Artikel ist sehr informativ, prima, dass dieses Problem publik gemacht wird - modern muss neu definiert werden-, dieser Artikel ist ein toller Beitrag dazu

  2. 2 by Ch.Mundt | Mar 6th, 2007 at 4:01 pm

    Super!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  3. 3 by ami | Mar 6th, 2007 at 10:28 pm

    ich denke, das thema “hemp” wird auch hier wieder aktuell. in amerika&fernost sind ja auch bambus shirts grade schwer im kommen. finde den artikel auch sehr informativ, good job - danke michel.

  4. 4 by Maxx | Mar 7th, 2007 at 8:29 pm

    finde ich gut das ihr auf sowas aufmerksam macht, nur eine umsetzung und größere medien aufmerksam keit wäre noch besser.

    Gehen die 10% Gifte in unseren Shirts nicht beim waschen raus? ( Falls nicht durch das Waschmittel neue rein kommen )
    Achja und ich finde das http://store.americanappare…
    sehr cool. Gibt ja leider kein Forum im Moment, aber könnt ihr das nicht in euer Sortiment aufnehmen?

  5. 5 by Horst | Mar 14th, 2007 at 7:47 am

    Klasse Artikel. Danke für die vielen Hintergrundinfos. Wobei es ja nicht immer Baumwolle sein muss, wie ami bereits bemerkt hat.

  6. 6 by ami | Mar 14th, 2007 at 9:32 am

    max, mit ordentlich waschmittel gehen die gifte dann schon irgendwann raus — nur ob dein waschmittel viel gesünder ist …

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