Damals, als Dean/Brando in Halbstarkenpose das Trainings-Hemd der Armee entlehnten, war das T-Shirt noch selbst ein symbolisch besetztes Kleidungsstück. Mittlerweile ist es angekommen, durchgenuddelt oder auch: zum Klassiker avanciert. Wenn jeder eines hat (Wer hat keins?), stellt sich vielmehr die Frage wie man es trägt. Auf sich allein gestellt, verläuft es sich im Wald aus Zeichen. Also wird relevant was drauf steht, worauf der Print verweist. Das Shirt als Bildträger. Werbeträger. Datenträger?

Es obliegt also dem Motiv (nennen wir es ruhig Design) Differenz zu markieren. Kaum ein Sujet, keine Farbkombination die nicht irgendwie, irgendwann zwischen Druckerpresse und Baumwolle geraten ist. Als omnipräsente Werbefläche oder soziales Kapital seines Trägers, hat es das T-Shirt zunehmend schwer, mittels Symbolik seinen Dienst zu verrichten. Vermehrt erblicken Shirts das Licht der Welt, die das Verhältnis von Form und Funktion ein Stückchen weiter zu spinnen versuchen. Dem Shirt-Design (cool) und seinem Träger (aha, cooler Typ) wird noch eine Extrarunde im Decodier-Rodeo draufgepackt.
Schaut man sich die Shirts von Code.me (zeig mir deins - erkenne meins) an, findet man den Print gut oder nicht. Vollends erschliesst sich dieser aber erst, wenn man in einer - sagen wir mal Tabelle - nachschaut. Zwei Halbkreise und ein Punkt: du magst Chansons. Drei Halbkreise zwei Punkte: aha, Indie.
Anderes Beispiel: Bei Offensively Binary, dem Shop eines Wettbewerbers, lassen sich Statements, welche mit Sicherheit den Argwohn von Freedom Fighter und Flughafenpersonal auf sich ziehen, in Binärcode verstecken. Wer die Botschaft erhalten will, muss der eigenen Codierleistung einen elektronischen (mathematischen) Übersetzer vorschalten oder einen befreundeten Autisten darum bitten.
(via boingboing)
Farbenfroh und komplexer geht es bei VISUAL DNA zu. Der genetische Code wird in einem vierstufigen Prozess visualisiert. Am Ende steht ein Kunstprojekt und die sichtbar gemachte DNA von Tabak, Heubazillus oder Mensch auf dem Shirt. Eine Rückübersetzung - Re-Kreation vom Shirt ins Leben - sollte man zumindest nicht ausschliessen. Das Shirt als Datenträger?
Noch einen drauf setzt die Datamatrix. Während Barcodes auf dem Shirt etwas lahm und sperrig daher kommen, rockt die Kapazität der Datamatrix ordentlich los. Hierzulande auf Briefumschlägen, anderswo als Busfahrpläne oder auf Partyeinladungen zu finden, lässt sich der Code auch als Print auf dem Shirt unterbringen. Ganz dezent als Label oder slick versteckt in einem Mosaik (siehe unten). Die Infrastruktur steht schon bereit. Coder gibt es hier oder hier. Eine Semacode-Community hier. Das Photohandy in deiner Hosentasche.
Die URL zum MySpace-Account oder Blog lässt sich locker codieren und auf dem Shirt unterbringen. Für das Verschwinden von Megadeth-WorldTour-Rückenkalendern könnte es gerade noch reichen. Für die Zukunft gilt es für die Fans, die lästige Konkurrenz names RFID und OLED vom Hals zu halten.
(Shibuya station Tokyo. via Future Perfect )










Ich will ein T-shirt, das mir anzeigt, ob der Gencode des Trägers verändert wurde. Also ob ich eine menschliche Gen-Tomate oder einen Bio-Menschen vor mir habe. Könnte sich auf die Paarungsbereitschaft auswirken. Ausserdem sollten CDU-Wähler nur in Schwarzlicht sichtbar sein.
Und wie wärs mit einem Code, der nur erscheint, wenn sich passende Fetischisten treffen? Wäre ja sonst peinlich, mit diesem “Rasenmäher sind sexy” Shirt rumzulaufen.
was du brauchst ist ein mashup aus RFID und diesen OLED/EL-shirts. da geht bestimmt noch was in zukunft.
CDU und SCHWARZlicht ist natürlich ein riesen joke.
feiner artikel. hier noch was, was ungefähr zum thema “codes auf shirt” passt: tiere in der londoner ubahn http://spreadshirt.net/shop… bzw. http://www.animalsontheunde…
Leute, ganz generell: Ihr befeuert das Blog in einer Geschwindigkeit mit interessanten Artikeln, dass ich mich echt Frage, ob Euch manchmal auch nichts einfällt. Respekt!