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CEO Go! Jana Eggers im Interview

Jana Eggers verbringt gerade viel Zeit über dem Atlantik: zwei Wochen lang ist die neue Geschäftsführerin der Spreadshirt U.S.-Niederlassung in Leipzig zu Gast, zum on-the-job-Training. Dann geht's zurück nach Greensburg. Für eine Woche. Und dann wieder Retour nach Leipzig. Mit dem Drehwurm wird sie schon fertig: wenn ihr alles zuviel wird, läuft sie eben Triathlon..

 

Schon vor acht Jahren kamen Jana Eggers und ihr Mann Evan das erstemal nach Deutschland. Damals untersuchten die beiden in Berlin für ihren Arbeitgeber, den Reisedienstleister Sabre, die Tücken des europäischen Marktes. Ihre erste Begegnung mit deutscher Literatur: ein 16-seitiger Mietvertrag. Der sie u.a. verpflichtete, den Balkon schneefrei zu halten, den Schnee aber keinesfalls nach unten zu schippen. Außerdem, so Eggers in einem Interview für The German Way, könne sie sich nicht daran gewöhnen, an der Kasse angeschrien zu werden, wenn sie vergäße, das Gemüse abzuwiegen. Das war vor acht Jahren. Heute kennen die Eggers die feinen Unterschiede.. 

Wo sind Sie geboren und aufgewachsen?In Fort Smith, Arkansas. Ich habe meine ganze Kindheit dort verbracht, das Hendrix College besucht und einen Abschluss in Mathematik und Computer Wissenschaften erhalten.

Wann haben Sie ihr erstes T-Shirt getragen? Was war da drauf?Wow, keine Ahnung! Ich erinnere mich aber an mein erstes Sweatshirt. Das war schön warm, als ich es an meinem fünften Geburtstag - es war ein kalter Tag im Dezember - bei einem Besuch im Disneyworld-Park drüberzog.

Was haben sie gemacht, bevor sie zu Spreadshirt gekommen sind?Ich habe nicht wirklich nach einem neuen Job gesucht. Mein Job bei Intuit (Hersteller von Finanzsoftware, d. Red.) war klasse. Das Spreadshirt Team hat mich aber schon sehr beeindruckt. Das Management hier hat Tolles geleistet. Und ich sehe auch, dass Cafepress (Spreadshirt-Mitbewerber in den U.S.A, d. Red.) und ihr Marktanteil nicht das Ende der Fahnenstange ist - da ist mehr drin. T-Shirts sind ein neues Medium der Meinungsäußerung - und eine neue Ausdrucksform. Die braucht jeder!Wie glauben Sie unterscheidet sich Spreadshirt von anderen „Apparel on Demand" Firmen?Zunächst einmal durch das großartige Team. Ich glaube auch, dass das perfektionierte Zusammenspiel der drei Geschäftseinheiten Designer, Shop und Endkunden auf dem Markt gut ankommt.

Wo sehen Sie Spreadshirt auf dem U.S. Markt in zwei Jahren?Ich sehe uns als Marktführer, dessen Stärke seine enge Zusammenarbeit mit den Designern ist. So helfen wir Shop-Partnern und Endkunden, stets bessere Qualität zu haben. Wichtig ist, Spreadshirt zu einem attraktiven Arbeitsplatz zu machen, und so die besten Talente zu uns zu holen - in Deutschland hat das geklappt und in Wiliamsburg sind wir auf dem Weg dahin.

Was sind die Unterschiede in der Unternehmenskultur hier und drüben?Erfolgreiche Start-ups sind in den U.S.A. oft ähnlich gestrickt. Etwas chaotisch, voller Energie und neuer Ideen. Was bestimmt anders ist, sind die ausdrücklich genannten Werte und Regeln ("value statements") bei Spreadshirt. Sowas machen in den U.S.A eher die großen Firmen, nachdem sie ein bisschen den Fokus verloren haben, um alle wieder auf Linie zu bringen. Ich finde es aber gut, dass man von Anfang an die Werte eines Unternehmens benennt. Erfahrung ist sicher wichtig - aber man muss nicht derjenige sein, der die Erfahrung gemacht hat, um davon zu profitieren. Es reicht manchmal abzugucken: wie haben die anderen das eigentlich gemacht? Vorbildlich sind für mich Firmen wie Intuit, Apple und Southwest Airlines, in manchen Dingen auch General Electric und Procter & Gamble. In vielen Fragen orientiere ich mich daran, wie diese Firmen ein bestimmtes Problem gelöst haben und was sie heute auszeichnet. Man muss nur wissen, wen man fragt.Glauben Sie, dass eine deutsche Firma besondere Probleme hat, wenn sie auf dem amerikanischen Markt agiert?Nur, wenn sie die Besonderheiten des Eintrittsmarktes übersieht. Und das ist nicht so sehr ein deutsches Problem, als ein Personalproblem. Viele amerikanische Firmen haben bei dem Versuch, in Europa Fuß zu fassen, da ihre Fehler gemacht. Man muss zuhören können. Und nicht blind glauben: das hat bei uns geklappt, dann muss es ja auch drüben klappen - oder umgekehrt. Wenn z.B. französiche Blogger befürchten, ihre Community (LaFraise) könne sich verändern, weil eine deutsche Firma jetzt die Prozesse mitbestimmt, dann haben sie begreifliche Angst vor einem „Culture Change" - und das hat nichts mit Nationalitäten zu tun - man muss das ernst nehmen und daran arbeiten, die Community zu erhalten und zu verstärken. Zeigen, dass man nichts verändert und wenn, dann jedenfalls zum Guten.Mussten Sie für Ihren Job jetzt umziehen? Vermissen Sie ihre alte Heimat?Umgezogen bin ich nicht. Klar, vermisse ich meine Wohnung und meine zwei Schäferhunde, wenn ich hier bin. Mein Mann begleitet mich aber - und wir sind ein eingespieltes Team.Wie gehen Sie mit dem Stress der Fliegerei um? Wie entspannen Sie sich?In den letzten fünf Jahren bin ich alle zwei Wochen von der Ostküste zur Westküste geflogen und zurück. Darum bin ich einigermaßen ans Fliegen gewöhnt.Was sind Ihre Hobbies? Ich koche gerne! Demnächst werde ich mal für alle was in der Firmen-Küche kochen. Außerdem bin ich Triathletin. Wer mich mal begleiten will, ist herzlich eingeladen, auch wenn ich eher langsam bin..

Was lesen Sie gerade?Ich lese gerne und viel, aber nicht nur „Business Stuff". Im Moment lese ich: The First 90 Days: Critical Success Strategies for New Leaders at All Levels und The Curious Incident of the Dog in the Night-Time. Gerade ausgelesen habe ich diese Titel: One Billion Customers: Lessons from the Front Lines of Doing Business in China und Fried Twinkies, Buckle Bunnies, & Bull Riders: A Year Inside the Professional Bull Riders Tour

In punkto Business müste ich als erstes Jim Collins nennen: seine Bücher sind sehr hilfreich, wenn man etwas von null aufbauen möchte. In punkto Design bin ich definitiv an The Inmates Are Running the Asylum von Alan Cooper hängen geblieben. Da lernt man viel über die Betriebsblindheit, die entsteht, wenn Programmierer nicht mehr die Perspektive der User einnehmen können. Außerdem empfehle ich The Perfect Store, ein Buch über Ebay, sowie „The Tipping Point", „Wisdom of Crowds" und „Freakonomics".Ihre bevorzugten Internet-Seiten?Ich lese gerne Fast Company, Fortune, und Dwell die es auch im Printformat gibt. In folgenden Blogs lass ich mich auch während der Abreitszeit erwischen: Tech Crunch, GigaOM und Venture Chronicles. Neuerdings auch Hiphipuk. Außerdem zu empfehlen: marketingprofs und delicious.

Danke, Jana und willkommen bei Spreadshirt!

Nachtrag: Im Velaufe ihres sehr lesenswerten Interviews für The German Way (1999, s.o.) berichtet Frau Eggers auch von ihren damaligen Problemen, für Messen in High Heels zu schlüpfen. O-Ton:

„For women this means heels and I have to say a month later my feet have still not recovered from a show where I wore heels for 10 hours/day for five days! Yipes! And to be clear, this isn't just Germany, as our shows have been in Paris, Amsterdam, Hannover, etc."Seit den Zeiten Victorias gehört England eben zu Hannover - auch das ist historisches Gespür..

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5 Responses to “CEO Go! Jana Eggers im Interview”


  1. 1 by ami | Nov 8th, 2006 at 11:25 am

    Coole Buchtipps. Seit wann Siezen Sie eigentlich unsere Mitarbeiter, Herr Nierste?

  2. 2 by Michel | Nov 8th, 2006 at 3:11 pm

    Du gilt als vertrauliche Anrede und kann einem Probleme mit dem FBI eintragen

  3. 3 by steffi | Nov 9th, 2006 at 6:35 pm

    What the heck is Williamsburg?

  4. 4 by Michel | Nov 9th, 2006 at 7:11 pm

    Williamsburg ist der grösste Konkurrent von Greensburg um den Preis der unbedeutendsten Kleinstadt der USA. Und außerdem ein bedauerlicher Fehler, den mir niemand mehr nachweisen kann. Danke, steffi!

  5. 5 by Jenny | Nov 18th, 2006 at 2:45 pm

    Euer Blog macht süchtig.
    Weiterhin viel Erfolg und gute Ideen.

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